Sonntag, 25. September 2016

Stoffspielereien: Von Gold bis Blech

Filz, Leder und Aludraht- was hat das denn bitteschön mit Stoffspielereien zu tun?

Suschnas Thema war: "Von Gold bis Blech- Metallstickerei"
Durch den Besuch der Torgauer Ausstellung mit den golddurchwirkten Brokaten wusste ich aber, dass ich einen völlig anderen Ansatz nehmen musste. Die kunstvollen antiken Stoffe sind ein Maßstab, an dem ich mich nicht messen kann.....

Deshalb habe ich zuerst versucht Metallicstoff und Draht aufzusteppen, als Untergrund habe ich wegen des Kontrastes Wollstoff oder Filz genommen.

Der Kupferstoff war schon ganz vielversprechend, das Aufsteppen von Draht geht aber spannungstechnisch gar nicht. Ich habe an sämtlichen Schrauben gedreht, aber das lässt sich mit meiner Maschine nicht nähen. Also habe ich den Draht in einen Tunnel eingezogen.
Die Idee hat mir dann ganz gut gefallen.


Leder, Filz und Draht- satte Kontraste.
Das Prinzip hat dann eine große Ablage für Papiere und ein kleines Körbchen für die monatlichen Postquittungen gegeben. Jetzt habe ich nette Sammelbehälter für meine Buchhaltung.


Und das Herumprobieren und Nähen hat auf jeden Fall viel mehr Spaß gemacht als die Büroarbeit.
Nur wenn ich mir den Stapel so angucke hätte ich vielleicht doch eher mal die Ablage in Angriff nehmen sollen.....

Weitere Stoffspielereien gibt es heute bei Suschna.

Am 30. Oktober bin ich Gastgeberin und sammle Experimente zu einem echten Herbstthema: Blätter
Drucken, applizieren, sticken oder alles zusammen- ich hoffe wir bekommen einen inspirierenden goldenen Oktober!


Montag, 12. September 2016

"Schätze einer Fürstenehe" - die Ausstellung in Torgau

Zugegeben: Nach Torgau hat es mich eher zufällig verschlagen - die Stadt lag von Leipzig an den Teupitzsee einfach auf dem Weg. (Danke für den Tipp, Andrea!)
Aber die Ausstellung im Schloss Hartenfels ist für kulturhistorisch Interessierte auf jeden Fall auch eine Extrafahrt wert.

In Torgau fanden ab etwa 1600 immer wieder kurfürstliche Hochzeiten statt. Das gab den Anlass, einige Schätze aus dem Archiv der staatlichen Kunstsammlungen Dresden vor Ort auszustellen.
"Schätze einer Fürstenehe" ist der Rahmen für eine Zusammenstellung von Gemälden, Waffen und Fürstenbildnissen aus der Zeit nach der Hochzeit von Johann Georg I und seiner Frau Magdalena Sibylla von Sachsen im Jahr 1607.
Wirklich beeindruckend ist das Prunkkleid der Kurfürstin aus dem Jahr 1610/20. Es ist im Vergleich zu vielen Nürnberger Exponaten außergewöhnlich gut erhalten und restauriert.
Die Ausstellungsmacher stellen immer wieder einen Zusammenhang zwischen verschiedenen Exponaten her - in einer Virtine ist z.B. ein Stück der aufwändigen Spitze des Kleides nachgearbeitet- in den Originalfarben wie sie wohl vor 400 Jahren im Ballsaal getragen wurden.
Das ausgestellte Hochzeitsgewand des Fürsten ist auf einem Bildnis zu sehen.
Zusätzlich ist in einer Vitrine der schwarze Mantel ausgebreitet den er auf dem Tafelbild dekorativ um die Hüfte drapiert trägt.
Die Ausstellungsstücke sind auch für textile Laien hervorragend dokumentiert.
Wir haben sogar die beschriebene Nahttasche in Sibyllas Kleid entdeckt.
Ihr auch? Oben habe ich euch das mit einem Pfeil markiert.  :)

(Und: Die filigranen Posamentenknöpfe am abnehmbaren Rock, die hochgezogene Taille für die ständig schwangere Fürstin, morbide Stickereien auf ausgeblichener Seide.... Hachz. )

Die Kleidung ist von allen Seiten zugänglich, an einem Mittwochmorgen waren so wenig Besucher in den Räumen, dass wir ganz in Ruhe und bei verhältnismäßig gutem Licht gucken konnten.
Die Stickereien sind absolut beeindruckend. 
Und ich habe tiefen Respekt vor den Kunsthandwerkern, die so etwas Schönes geschaffen und erhalten haben.


Also: Torgau ist absolut empfehlenswert für einen Ausflug:

  • die Lage des Schlosses am Fluss ist malerisch- unbedingt auf den Turm steigen!
  • von Bären im Zwinger kann man halten was man will, aber Kinder wögen sowas wohl.
  • eine von Luther slbst geweihte Schlosskapelle
  • der Wendelstein im Schlosshof - großartig!
  • und am Marktplatz gibt es eine Eisdiele mit sensationellem Mango-Joghurt-Eis. Meine beiden Lieblingseissorten in einer Kugel kombiniert.... da wusste ich gar nicht was ich dazu nehmen sollte :)
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Ich bin wirklich froh, dass viele Museen ihre textilen Schätze der Öffentlichkeit zugänglich machen. Die Sachen sind teilweise so empfindlich, dass das nicht selbstverständlich ist.
Quasi bei mir in der Nachbarschaft ist auch so ein kulturhistorisches Ausflugsziel, das Heubacher Miedermuseum.
Muriel hat vor ein paar Monaten für ein paar Nähnerds einen Aussstellungsbesuch mit Führung durch die Kuratorin organisiert.
Hier könnt ihr darüber lesen.

Ein paar Wochen später hat sie mich dann zu einem ihrer legendären Podcast-Interviews gebeten. Himmel war ich aufgeregt :)
Das Resultat könnt ihr hier hören:


Vielen Dank Muriel, ich habe mich sehr gefreut!
Über den gemeinsamen Ausstellungsbesuch und das Interview!

Montag, 29. August 2016

Von der Idee zum Stoff und dann zum Kleid

Bei meinem neuen grünen Kleid lässt sich ganz genau der Werdegang von der Idee zum fertigen Teil nachvollziehen, wollt ihr mal gucken?

Im Sommer habe ich auf einem Kunsthandwerkermarkt an einer Besucherin ein schwarz-weißes Kleid mit einem tollen Muster gesehen. Das lineare Dégradé aus lässig hingeworfenen Strichen fand ich super und wollte diesen Effekt zuerst mit der Nähmaschine aufsticken. Die ersten Versuchen wurden aber zu starr.

Also habe ich mir ein Sieb mit dem Muster belichtet.
Dafür wird ein Rapport mit einem opaken Stift auf eine Spezialfolie gemalt, die wird auf ein beschichtetes Sieb gelegt und mit einer UV-Lampe belichtet.


Die Teile des Kleides habe ich zugeschnitten und dann mit Sieb und Rakel bedruckt.
Der gröber strukturierte Stoff hatte zwar genau den richtigen Grünton, hat aber die Farbe nicht immer so gut aufgenommen. Also habe ich mit einer Rasterschablone und Schaumstoffwalze über die fehlerhaften Stellen ein paar Punkte gedruckt. Der Effekt muss natürlich so sein, das lockert das Muster nochmal etwas auf :)


Die ausgesparten Kreise habe ich noch mit Knötchenstichen in Kontrastfarbe akzentuiert, das gibt einen netten zusätzlichen Effekt.


Das Kleid ist aus Baumwollwebstoff mit schöner Struktur, durch einen hohen Elastananteil ist es bielastisch und sehr bequem.
Ich habe es letzte Woche unterwegs viel getragen.


  • In Torgau an der Elbe beim Besuch einer tollen Ausstellung mit textilen Schätzen (das stelle ich euch nochmal gesondert vor.)
  • auf dem Leipziger Völkerschlachtdenkmal mit Andrea
  • und auf Annes Insel im Teupitzsee beim finalen Säumen meines Alabama Chanin-Kleides.
    (Heureka- es ist bis auf ein paar kleine Ergänzungsstickereien fast fertig.)
Ein Kleid für alle Gelegenheiten.
Und ein absolutes Unikat.

Stoff: Ein recht knapper Coupon aus dem Fundus, ursprünglich wohl gekauft als Hosenstoff. 
Farben und Rastersieb via Jeromin

Montag, 4. Juli 2016

Asymmetrie pur- ein Shirt aus nur einem Teil.

Das asymmetrische Shirt ist aus der Fashion Style (Knip) vom Mai 2016.

Das Nähabenteuer beginnt schon beim Kopieren des Schnittes. Das Riesenteil wird aus 5 Elementen zusammengesetzt, die allesamt  am Zusammenstoß mit Trennlinie 1 bezeichnet sind. Als Vorgabe zum Montieren sind mikroskopisch kleine Zeichen eingefügt- die muss man im Liniengewirr erst mal finden. Der Schnitt geht nämlich von Größe 34 bis 54. Könnt ihr euch vorstellen wie schwer da die Orientierung fällt? Die Teile sind alle formatfüllend und überlappend auf einem Schnittbogen versammelt. Örks.
Ich habe ganz schön den Durchblick verloren, und das obwohl ich aus den 80ern Neue Mode-gestählt bin.

Das Nähen war dann allerdings ein Kinderspiel, vor allem Dank der neuen Covermaschine.
Das Shirt war zwar noch ein paar Nummern zu groß, aber die notwendigsten Anpassungen habe ich an der einzigen Seitennaht improvisiert- beim nächsten Mal würde ich noch erheblich Weite aus der Mitte herausnehmen.

Das Shirt trägt sich sehr besonders- die eine Hälfte ist weit und das Armloch ist sehr tief angesetzt. Es ergeben sich aber erstaunlicherweise keine seitlichen Einblicke. Der Ausschnitt neigt dazu seitlich zu verrutschen, er gleitet aber nicht von der Schulter.
Das Shirt ist deshalb nichts für Leute die Wert auf perfekten Sitz legen, man neigt am Anfang schon etwas dazu, ständig an sich herumzuzuppeln :)
Aber der außergewöhliche Fall ist cool und das Teil ist auf jeden Fall ein echter Hingucker.

Ich würde das Shirt gerne nochmal nähen, dann am liebsten aus einem weich fallenden Streifenjersey. Dann kommt mit Sicherheit auch die besondere Schnittführung besser heraus.

Katrin und Birgit haben übrigens letztes Jahr einen Schnitt nach einem ähnlichen Prinzip genäht, enger und mit angeschnittenem Arm.
Mal gucken ob ich mein Oversize-Shirt beim nächsten Versuch auch noch etwas auf Figur bringe.....
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Und weil es farblich gerade so toll dazu passt: Ein neues Papierobjekt der Tochter.
Sie hat nach dem Abi jetzt alle Zeit der Welt.
Die Pause sei ihr aber vergönnt, das im Herbst beginnende duale Studium (Mechatronik!!) lässt ihr mit Sicherheit wenig Muse für derartige Geduldsarbeiten:

Die Anleitung ist hier zu finden, der Zeitbedarf liegt bei etwa 6 Stunden.
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Und sonst so?
Die ersten Kirschen, massig Himbeeren, wenig Erdbeeren und etwas Fußball.
Sommer!

Sonntag, 26. Juni 2016

Stoffspielereien: Löcher

Bei den Stoffspielereien vom Juni soll es um Löcher gehen- und ich habe mich gefreut, dass damit ein altes Thema nochmal auf den Tisch kam.
Vor zwei Jahren hatte ich schon Versuche mit Filz und Lochzange gemacht, aber mich dann am Ende für die frei geschnittenen Löcher entschieden.
Nun also die Lochzange. Bei Filz kommen die Konturen nicht so klar heraus, also habe ich zum Stanzen jetzt Leder genommen.
Aber auch bei Leder muss man aufpassen- die weicheren Randstücke der Lederhaut machen sich beim Lochen nicht so gut, die Fasern der Rückseite legen sich um und ergeben keine klare Kontur.
Glatte Abseiten (im Idealfall das feste Blankleder) bringen die besten Ergebnisse.
Man kann auch keine großen Teile bearbeiten, der Durchlass der Zange ist dann doch zu klein und man kommt nur noch schwer in die Mitte größerer Stücke.
Also habe ich die letzten Teile meiner türkisen Haut aus der Restekiste geholt, sie ging ganz  gut zu verarbeiten. Trotzdem musste ich beim Lochen immer ein anderes Stück Leder mit unterlegen um eine sauber geschnittene Kontur zu bekommen.
Meine hebelverstärkte Lochzange war mir da eine große Hilfe- da braucht man auch bei mehreren Lagen wenig Kraft. 
Tja, und wenn man erst mal angefangen hat, dann entstehen so viele Möglichkeiten!
Man kann Bänder oder Gummis durch die Löcher ziehen.....
Nieten einschlagen....
große und kleine Löcher kombinieren,
Muster stanzen........

Bei so Kleinzeug kommt man in einen richtigen Flow.
Ich habe dann erst aufgehört als die letzten Fetzen meines Lieblingsleders verarbeitet waren.
Jetzt hat die ganze Familie - ob sie es braucht oder nicht-  neue Handyhüllen. :)
Am besten gefallen mir die klaren Raster auf dem ersten Bild- das Muster ist sehr reduziert und passt super zu technischen Dingen wie meinem Tablet.
Und es setzt die Farbe des Leders perfekt in Szene!

Noch mehr Löcher gibt es heute in Laufe des Tages bei Frifris, ich bin gespannt!

Donnerstag, 23. Juni 2016

Geldbeutel und Reiseetuis


Hier entsteht gerade ziemlich viel Kleinzeugs, vor allem Reiseetuis und Geldbeutel.
Irgendwie langweilig, aber guckt mal diese Farbe an.
Die ist absolut neu für mich. Beim letzten Besuch in der Lederhandlung habe ich eine pflanzengegerbte Haut gekauft- in fuchsia! Eigentlich ist das Material so stabil, dass ich Lederriemen daraus schneiden wollte- aber mit geschärften Kanten konnte ich das Blankleder auch zu Greten verarbeiten.
(Geplant sind eigentlich anthrazitfarbene Taschen aus gewachstem Canvas mit Lederboden und pinken Henkeln. Irgendwann.)
Wenig überraschend sind dagegen Geldbeutel aus petrolfarbenem Leder. Ich habe ja schon eine Tasche aus dem Material, die letzten Reste habe ich nun zu Börsen verarbeitet. Eine davon hat die Tochter zum bestandenem Abi bekommen- sie teilt meine Farbvorliebe uneingeschränkt :)
Und hier noch zwei Reiseetuis aus einem schönen Wachstuch- die neutralen Farben lassen die mintfarbenen Reißverschlüsse und Schrägbänder richtig leuchten.

Und sonst so?
Ich habe ein Kleid für den Abiball genäht, aber das war es dann auch schon.

Zum Nähen von Klamotten habe ich gerade gar keine Lust. Beim Ausmisten meines Schrankes sind mir ein paar fast vergessene Sachen in die Hände gefallen die ich unbedingt wieder anziehen möchte. Deshalb habe ich gerade gar nicht das Gefühl, dass ich etwas Neues bräuchte.
Eigentlich ist hier gar kein Platz für so viele Kleider- gezählt habe ich über 30 Stück die ich alle noch gern in dem Sommer tragen würde.
Hoffentlich bleibt es noch eine Weile so schön!


Sonntag, 29. Mai 2016

Schrift auf Stoff (Stoffspielereien vom Mai)

Karen, hat für die Stoffspielereien im Mai das Thema "Schrift auf Textil" vorgeschlagen.
Da wir in diesem Monat sehr viel unterwegs waren habe ich mir wieder eine Sticktechnik herausgesucht, das ist eine sehr gute Beschäftigung für die Zeit am Strand.

Doch vorher musste alles gut vorbereitet sein:
Ein großer Schriftzug war schnell aufgemalt, die Tochter hat das mit transparentem Klebeband stabilisierte Papier dann mit einem Cuttermesser ausgeschnitten.
Dann habe ich die 4 Rockbahnen zusammengenäht.
Die Farbe habe ich etwas deckender mit einem kleinen SchwammAmStil aufgestupft.
Gestickt habe ich wie schon vor zwei Jahren beim Urlaub am roten Meer. 
Diesmal waren wir nur zu zweit unterwegs - die Woche war das Abigeschenk an die tauchende Tochter. 
Es war herrlich: Essen, Tauchen, Sticken und Schlafen. In beliebiger Reihenfolge :)
Der Schriftzug erstreckt sich über drei Bahnen- das gab ein paar Probleme an die ich vorher nicht gedacht habe. Nathalie Chanin bearbeitet in der Regel jedes Schnittteil einzeln, so sieht man beim Herausschneiden der oberen Lege der Applikation die Nahtzugaben nicht- sie verschwinden in der Naht zum Nachbarteil. Wenn man wie ich die Teile schon vorher zusammennäht kommt beim Herausschneiden natürlich die Naht ans Tageslicht.
Sehr ihr?
Das hat mich zuerst richtig geärgert, ich musste an diesen Stellen ziemlich viel nachbessern.
Zum Glück ging an der Rückseite der Schriftzug nur bis zur dritten Naht.

Der Rock ist komplett doppellagig, das macht ihn schön schwer und ganzjahrestauglich.
Ich mag ihn sehr, das ist wieder ein GoT-Fanteil, das erst auf den zweiten Blick zu identifizieren ist.

Weitere Nähereien sammelt heute Karen, die Meisterin der Kalligrafie.
Vielen Dank für die Anregung zur rechten Zeit!

(Die letzten Stoffspielereien vor der Sommerpause gibt es an bei Frifris zum Thema "Löcher")

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Schriftzug: Valar Morghulis (Hochvalyrisch für "Alle Menschen müssen sterben", ein Zitat aus Game of Thrones. Aber im Prinzip ist der Text egal, hier steht der dekorative Aspekt im Mittelpunkt
Jersey: Graublauer Originaljersey von Alabama Chanin (ein Geschenk meiner Freundin Heike) und petrolfarbener Viscosejersey vom Stoffmarkt
Schwamm und Dekaprint-Farbe: Jeromin
Schnitt: 4-Bahnenrock, sowas ist schnell konstruiert.
(Die Alabama Chanin Schnitte passen mir überhaupt nicht.)