Donnerstag, 3. März 2016

Hülle mit Reißverschluss für das evangelische Gesangbuch

In den Wochen vor der Kommunion und Konfirmation werde ich immer wieder mal gefragt, ob man mit den
4 cm breiten Reißverschlüssen auch Hüllen für das evangelische Gesangbuch nähen könne.
Das geht zur Not schon, allerdings ist das eine echte Presspassung, das Gesangbuch ist doch etwas dicker als das katholische Gotteslob.
Deshalb sollte man für das Gesangbuch besser die 5,5 cm breiten Reißverschlüsse nehmen, da passt das Buch optimal hinein.

Hier sind die Maße für ein Buch mit 11,5 cm x 17,5 cm x 4,5 cm:
Genäht wird das ganz genauso wie hier beschrieben, zum Schluss steppe ich den Reißverschluss an der unteren Seite 2 cm an, oben wird der 5,5 cm breite Reißverschluss auf 3,5 cm eingefaltet, mit einem Reststück Filz eingefasst und dann ebenfalls am Buchrücken festgesteppt.


Nach dem Prinzip kann man alle Bücher bis zu einer Dicke von 5 cm gut geschützt transportieren. 
Bei 3 mm dickem Filz berechnen sich die Maße so: 
  • Höhe: 17,5 cm beim Buch plus 1 cm Zugabe: 18,5 cm beim Einband
  • Breite: 11,5 cm  x  2 +  4,5 cm am Buchrücken = 27,5 cm
                plus 1,5 cm Zugabe (etwas mehr wegen der Biegung am Buchrüchen): 29 cm beim Einband

Letztens habe ich für eine Kundin nach dem Prinzip eine Hülle für eine Kinderbibel genäht, mit aufgenietetem Hederhenkel zum leichteren Transportieren.

Der Griff legt sich flach, wenn das Buch aufgeschlagen wird.


Hier ist ganz gut zu sehen. wie der Reißverschluss knappkantig aufgesteppt wird. 
Ich fixiere die Meterware übrigens vor dem Nähen mit Stylefix. Zwar sollte man eigentlich nicht durch das Klebeband nähen, aber in dem Fall wird das wirklich viel sauberer.
Und beim Durchnähen des dicken Filzes scheint sich die Nadel ganz gut von winzigen Kleberresten zu reinigen.


Ich glaube, ich nähe mir nach dem Prinzip noch eine Hülle fürs Laptop.
Mal gucken, ob sich außen Leder mit einer Filzlage innen kombinieren lässt....

Nähanleitung: Hier wird das Prinzip erklärt
Reißverschlüsse: machwerk-Shop
Filz: z.B. Filzshop24 oder von verschiedenen Anbietern bei daWanda


Sonntag, 28. Februar 2016

Stoffspielereien: Ich war einmal ein Tuch...


"Ich war einmal ein Tuch....."
Susanne hat das Thema der Stoffspielereien vorgeschlagen und ich wusste sofort, was ich da aus der Mottenkiste kramen wollte.
Das 120 x 120 cm große Tuch habe ich nach dem Vorpraktikum in einer Schalfabrik von der Vertriebsleiterin geschenkt bekommen. Es ist aus feinstem wollweißen Kaschmir und ich hätte mir sowas nie selbst leisten können.

Ich habe es dann während der ganzen Studienzeit zum Vintage-Trenchcoat meines Vaters getragen
(End-80er halt...) und irgendwann fanden es Motten wohl genauso weich und kuschelig wie ich.
Tja- wegschmeißen konnte ich das Tuch trotz der vielen Löcher nie.
Zuviele Erinnerungen und so.
Ihr kennt das vielleicht.
Ich habe das Tuch dann in der letzten Woche ziemlich zerlegt und die schlimmsten Stellen herausgeschnitten. Die restlichen Stücke habe ich mit größeren Stichen aus kontrastfarbenem Garn zusammengenäht.

Geplant war eigentlich, das Stoffstück mit einem Wollstoff zu hinterlegen, mustermäßig Löcher zuzufügen und die Löcher durch Stickerei durch beide Lagen zu stabilisieren.
Und z.B. einen großen Origamibag-Beutel zu nähen.
Eine Tasche sah aber beim ersten Auslegen echt merkwürdig aus.
Zudem ist das Material so zart, sowas muss man eigntlich auch weiter am Hals tragen.
Deahalb habe ich das Stoffstück dann nicht gedoppelt, sondern die Löcher zu entschiedeneren Schlitzen verlängert und aus dem restlichen Stoffstücken Patches hinterlegt.
Ganz fertig bin ich mit dem Flickenaufnähen nicht geworden. Zu viele Löcher und zuviele zusätzliche Patches die ich aufnähen muss um das zu einem harmonischen Ganzen zusammenzufügen.
Aber das schaffe ich in den nächsten Tagen. Ich will das Tuch nämlich unbedingt wieder tragen.

Nicht als Dreieckstuch wie in den 80ern, sondern wie ich es jetzt mag: Als langen Schal.

Es ist mir übrigens noch nicht so ganz klar, ob das nun Clochard oder Bohème wird.
Aber es ist jetzt schon kuschelig.
Und das ist dann doch ziemlich wichtig :)

EDIT, 16 Uhr:
Die erste Hälfte scheint fertig zu sein. Zum Vergleich das andere Teil des Schals, nur mit den notwendigen Patches versehen.
Viel hilft viel. :)


Noch mehr Tücher-Refashion gibt es heute bei Susanne.
Ich bin gespannt!

Sonntag, 14. Februar 2016

Eine Ausstellung über Mode der Renaissance im GNM Nürnberg

Im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg ist noch bis zum 6. März eine Ausstellung über die Mode der Renaissance und des Frühbarocks zu sehen.
Es sind nicht nur etwa 50 originale Kleidungsstücke präsentiert sondern auch Gemälde, kritische Flugblätter und Werkzeuge zur Herstellung und Reinigung der Textilien.
Das alles gibt einen umfassenden Einblick in den textilen Alltag der Oberschicht zwischen den Jahren 1530 und 1650.

Um es kurz zu machen: Die Ausstellung ist phantastisch.
Es fällt schwer, einzelne Stücke herauszuheben, deshalb hier nur ein paar Beispiele die uns besonders beeindruckt haben:

Ein spanischer Mantel aus dem Jahr 1580 diente als Vorbild für ein Cape des Hauses Worth im Jahr 1895. Diese modische Interpretationen der textilen Antiquität wurde damals für die Weltumseglerin Hope Goddard maßgeschneidert. Es ist wunderbar, wie in der Ausstellung beide Kleidungsstücke nebeneinander präsentiert werden.

Es sind zwei Halskrausen aus der Zeit um 1600 zu sehen und ich rätsle immer noch, wie sie am Hals genäht sind. Großartig ist es, wie diese beiden Stücke in einen historischen Kontext gestellt werden: Zeitgenössische Flugblätter mit beißender Kritik an dieser Mode nehmen fast mehr Raum in der Aussstellung ein als die Krägen selbst. Großartig ist ein Stich, in dem gut nachzuvollziehen ist wie die Krausen gewaschen und in Form gebracht wurden.

Überhaupt: Die Textilpflege.Damals wurde nur die weiße Leinen-Unterbekleidung gewaschen, die Samt-, Seiden- und Wollstoffe wurden ausschließlich gelüftet und gebürstet. Das GNM zeigt in dem Zusammenhang Wäschetafeln, auf ihnen wurde notiert wieviele Stücke in die Wäscherei gegeben wurden. Da die Dienerschaft nicht lesen konnte wurde hinter den Abbildungen Striche gemacht um bei der Rückgabe die Vollständigkeit zu kontrollieren.

"Das sind die Lieblingsstücke der meisten Besucher" meinte unsere Führerin, als sie uns drei sehr gut erhaltenen Kamisole zeigte. Kamisole sind Strickjäckchen, die unter der sichtbar getragenen Kleidung angezogen wurden. Die kunstvoll gestrickten Stücke ähneln wohl am ehestem dem, was wir auch heute noch tragen würden.

Mein Lieblingsteil in der Ausstellung  ist ein kunstvoll besticktes Wams. Es wurde immer wieder umgearbeitet und die Spuren dieser Anpassungen lassen sich immer nocht gut in der Rückenpartie erkennen.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 6. März.
Es gibt sehr empfehlenswerte Führungen, die sich auch online vorab reservieren lassen
Der Katalog ist gut gemacht und stellt eher die Sozialgeschichte in den Mittelpunkt als die Mode. Zusätzlich gibt er noch zusätzliche Einblicke in die Restaurierung der fragilen Ausstellungsstücke.

Wer noch die Gelegenheit hat: Unbedingt hingehen!

(Das GNM hat aber auch sonst eine bemerkenswerte Textilsammlung.
Ein Besuch in Nürnberg lohnt sich deshalb immer. )

Montag, 1. Februar 2016

Ewa - das eBook für eine neue Tasche.

OK, so ganz neu ist der Schnitt nicht wirklich, vor einem halben Jahr habe ich diese Tasche schon mal genäht und gezeigt. Aber eine Anleitung wollte ich dafür eigentlich nicht schreiben.
Diese O-Karabiner sind in vernunftiger Qualität einfach teuer- und das Einschlagen von Ösen macht auch nicht wirklich Spaß.
Aber habe ich diese Tasche gern in den Kursen nähen lassen, mit meiner großen Presse war ja das Öseneinschlagen keine echte Hürde. Und ein paar Ringe habe ich mir vom Hersteller schicken lassen und günstig weitergeben können.

Und dann kam Nicole, sie hat nach einem Kurs eine Serie an tollen Taschen entstehen lassen, derart viel Potential hätte ich in dem Schnitt gar nicht vermutet.
Guckt mal:

Eine schöner wie die andere, oder?
Und damit war klar, dass ich mich ernsthaft um Ringe kümmern musste und ein eBook bringen wollte.

Gerade die Ringe sind das zentrale Gestaltungselement an der Tasche, sie geben ihr einen professionellen Look. 
Man kann in die Ringe geschlungene Träger einhängen, in der Anleitung habe ich beschrieben wie man die aus Stoff oder Leder näht.

Die Innenaufteilung der Tasche kann etwas aufwändiger gestaltet werden.
Ewa hat ein Trennfach, das den großen Innenraum in zwei Teile teilt. In dieser Trennwand ist oben ein Reißverschlussfach eingearbeitet. Das ist der ideale Platz für z.B. ein Tablet.
Handy und Geldbeutel können leicht zugänglich in der äußeren Reißverschlusstasche untergebracht werden.

Ewa ist nicht schwer zu nähen, Anfänger können die aufwändige Innenaufteilung etwas reduzieren.

Wie hier, bei dieser großen Version hat Nicole das Trennfach weggelassen, das gibt dann grundsätzlich einen beuteligeren Effekt:

Unglaublich schön ist die Jeansversion:
 Und hier nochmal Jeans mit SnapPap:
und dann noch eine große Version aus einem herrlichen Leinenstoff:


Diesmal haben viele schon in den Workshops die neue Tasche ausprobiert: Christina, Heike, Ingrid, Birgit, Daniela, Jasmin, Ursula, Andrea und Tanja - Danke dass ihr dabei wart.

Danke auch an mein Team vom Probenähen des eBooks:
Melanie und Annette


Das eBook gibt es wie immer im Shop, dort könnt ihr es nach Paypalzahlung gleich herunterladen. Zudem habe ich euch Materialsets zusammengestellt und einen (begrenzten) Vorrat an geschlungenen Lederträgern genäht.
Natürlich gibt es die Anleitung auch bei daWanda.

Viel Spaß mit Ewa!

Ewa? Ewa heißt zum einen meine Schwägerin, zum anderen ist Eva auch die Chefin des nettesten Stoffladens in meiner Umgebung.
Dort gibt es nicht nur den lilanen Wollstoff vom ersten Bild, dort findet ihr auchden den gelben Hirschstoff von Nicoles Tasche. 
Es wurde echt Zeit für Ewa. :)



Sonntag, 31. Januar 2016

Stoffspielereien: Perlen

Perlen waren die erste Herausforderung bei den Stoffspielereien im neuen Jahr.

Mit Glitzerkram habe ich ja grundsätzlich wenig am Hut.
Ich mag Perlen weder als Schmuck noch als Basis für eine Stickerei. Zwar fand ich die üppigen Dekorationen bei Natalie Chanin immer sehr schön, aber eigentlich nur im Makro zum Staunen und Gucken. Es ist toll wie Perlen nochmal eine ganz andere Textur mit ins Spiel bringen.
Aber auf einem Kleidungsstück konnte ich mir das für mich nicht vorstellen.
Zuviel Chichi, irgendwie.

Deshalb habe ich mir eine viel schnellere und grafische Lösung einfallen lassen und das Täschchen für meine Mutter vollflächig bestickt. Ich habe den kompletten Rollkragen des verfilzten Pullovers verarbeitet und dabei am Reißverschluss das kleine Anschlagbündchen offenkantig stehen lassen:
Ich mag gern, dass die Perlen auf der gesamten Fläche gleichmäßig verteilt sind und so ganz selbstverständlich zum Stoff gehören. Sie schmiegen sich zwischen die Rippen des Strukturstricks.
OK, ein wenig hat das was von Blutstropfen, aber in dem Pulloververwertungsprojekt steckt wirklich Herzblut drin. 
Insofern passt das :)
Das Täschchen ist mit Wachstuch von Tula Pink gefüttert.

Besonders hat es mich gefreut dass sich die Tochter gerade auch ein kleines Etui zu ihrer Tasche bestickt. Freiwillig. Wer hätte das gedacht.....
Ein Bild ihres fertigen Täschchens werde ich dann noch im Laufe des Tages ergänzen.

Ich freu mich über alle Perlenspielereien die diesmal bei Frifris gesammelt werden.


Freitag, 29. Januar 2016

Refashion: Ein verfilzter Wollpulli wird zur Tasche

Das ist ein echter Drei-Genenationen-Pulli.

In den 90ern hat sich meine Mutter einen herrlichen Zopfpulli mit Rollkragen gekauft und gern getragen. Irgendwann wurde ihr das Enge um den Hals unangenehm und ich habe das edle Teil in meinen Kleiderschrank übernommen.
Bis er mir neulich in die 60-Gradwäsche geraten ist und verzogen und verfilzt wieder herauskam. 
Mist.
Aber jetzt hat der Pulli eine neue Chance bekommen- der untere Teil mit dem schmalen Bündchen wurde zu einem Geburtstagsgeschenk für die Tochter verarbeitet. Aus dem Rest nähe ich noch passende kleine Täschchen, da wird meine Mutter sicher auch eins bekommen. :)

Eine Tasche mit Geschichte, das mag ich sehr gern.
Innen ist eine plastische Innentasche für einen Stift und Kleinzeug.
Eigentlich wollte ich einen Magnetknopf mit einarbeiten, aber das fand die Tochter nicht nötig.
Denn die wichtigen Dinge kommen auch bei ihr in die große Vordertasche mit Reißverschluss.
Ein echter Blickfang an der sonst schlichten Tasche sind Schlaufenträger, die in große Ringe eingehängt werden. Sie sind mit 5 cm Innendurchmesser sehr dekorativ und aus stabilem Zinkdruckguss, nicht aus dem sonst gängigen Aluminium.
Die Träger selbst sind aus einem 4 cm breiten Gurtband das mit einem 3 cm breiten Lederstreifen benäht und seitlich knappkantig abgesteppt wurde.

Material: 3 mm Wollfilz für den Boden und ein zu heiß gewaschener Pulli.
Schnitt und Metallteile wird es in verschiedenen Variationen ab Montag im Shop geben.


Dienstag, 26. Januar 2016

Unser ultimatives Knäckebrot - Rezept



**Knusperknusper**

Nicole hat uns neulich etwas von ihrem Knäckebrot  mitgebracht und mir ihr Basisrezept verraten.
Obwohl das eigentlich kein klassisches Knäckebrot ist, eher ein schneller Begleiter zu einem Stück Käse oder ein Keksersatz für Zwischendurch.
Abifutter für die Tochter oder Nervennahrung für die Mutter :)
Wir experimentieren nun auch schon ein Weilchen herum und mögen am liebsten folgende Mischung:

200 g Stärkemehl (Mondamin)
6 EL Sesam
6 EL Leinsamen
4 EL Sonnenblumenkerne
3 EL Kürbiskerne
2 EL Chiasamen
1 TL Meersalz mit einer feingehackten Knoblauchzehe zerdrückt
4 EL Öl
300 ml kochendes Wasser
Gewürze nach Wunsch- ich mag Paprika oder Chili am liebsten

Alle Zutaten verrühren, erst zum Schluss mit dem Wasser überbrühen.
10 Minuten quellen lassen
in 4 Stücke teilen
und dann portionsweise zwischen zwei Backpapieren ausrollen.
Wir mögen es am liebsten wenn es recht dünn ist-
die Dicke der Kürbiskerne ist dabei unser Maß.

Dann kommen die Fladen auf dem unteren Backpapier bei 150 Grad Umluft in den Backofen.
Wenn ihr Backfolie habt ist das fast noch besser,
dann löst sich gerade dünnes Brot besser vom Untergrund als von Papier.
Das gibt insgesamt 4 Bleche- ihr könnt immer 2 Stück auf einmal in den Backofen schieben.
Die Backzeit richtet sich nach der Dicke der Fladen- wenn sie nach etwa 20 Minuten trocken sind könnt ihr sie herausnehmen und in Stücke brechen.
Dickere Brote brauchen bis zu 40 Minuten.


Achtung: Macht süchtig!!
Aber: Ist gesund.

**Knusperknusper**