Donnerstag, 19. April 2012

Alte Tischdecken mit Stickereien


Die Tage kam der Lieblingsschwager mit einem ganzen Sack voll textiler Schätze aus dem gesamten letzten Jahrhundert. "Da ist bestimmt was für dich dabei." meinte er lapidar.
Er hätte die Stücke aus der Erbschaft einer Freundin, die damit nichts anfangen könne.

Ich bin absolut fasziniert von den Sachen und hoffe, die ein oder andere kann das hier nachvollziehen. Denn meine Leute hier im Haus zucken nur etwas ratlos mit den Schultern.
Als Einstieg hier eins der Tischsets, zu denen es noch eine gewaltig bestickte runde Tischdecke gibt.
Perlgarn, diese Ornanente und Farben- Das sind die 70er Jahre in Reinkultur.
Und im Retrohype wirkt das schon wieder modern.
(Die Tischdecke werde ich gnadenlos verwenden- da muss meine Familie durch.)


Aussteuersachen waren dabei- wie so oft noch unbenutzt.
Hier sogar mit dem nostalgischen Band, das das halbe Dutzend schön zusammenhält.


Mit dem Datieren der klassischen Weißwäsche tu ich mit naturgemäß schwer, dazu kenne ich die Geschichte der Familie nicht gut genug. Ob die Ziffern unter den Monogrammen das Jahr der Entstehung zeigen oder eine einfache Durchnummerierung der Aussteuer sind?


Vollkommem geplättet bin ich aber von den hoffnungslos altmodisch gestickten Tischdecken, die es in vielen verschiedenen Größen und Formaten gibt.
Stellvertretend hier ein Prachtexemplar mit einem Durchmesser von 170cm:


Die Faszination kommt erst, wenn man sich das genauer anschaut. Ich vermute mal, dass die Blüten geklöppelt sind und dann eingebunden wurden.
Das Foto ist groß- die Details sind wunderschön.
(Edit: Hier handelt es sich um Nadelspitze, das wird tatsächlich nur mit der Nähnadel ausgeführt und ist somit nicht geklöppelt. Danke für deine aufschlussreiche Mail, Wilma! )


Es gibt weitere Durchbruchsstickereien oder was immer das auch sein mag. Ich kenne nicht einmal genau die Bezeichnungen und hätte allergrößte Schwierigkeiten, so etwas auch nur annähernd so perfekt hinzubekommen.
(Edit: Das ist Richelieustickerei.
Ganz klassisch: Konturen werden mit dem Langettestich gestickt und daran entlang wird ausgeschnitten. Stege stabilisieren das dann dekorativ. )


Der Stoff liegt nur 85cm breit, mehr war damals technisch nicht machbar.
Das Zusammennähen der einzelnen Teile fügt sich in das Gesamtbild ein und trennt das Mittelteil von den Seiten, die die Tischkante herunterhängen sollen.
Auch hinten ist die Arbeit blitzsauber. Die Langettenkanten sind mit einem Festonstich eng eingefasst. Himmel- was für ein Zeitaufwand!


Klar, das alles ist hoffnungslos altmodisch, aber ich habe einen Heidenrespekt vor der handwerklichen Leistung.
Unten ist ganz gut zu sehen, was da an Techniken zur Schau gestellt wurde. Wir würden uns heute auf wenige Stilelemente beschränken um den Gesamteindruck nicht zu überfrachten, aber damals war das wohl der stolz einer jeden Hausfrau.


Was ich mit den Schätzen mache?
Keine Ahnung.

Einige Sachen habe ich schon mit Eau de Javel vom Gilb und den ärgsten Stockflecken befreit und werde sie weiterverarbeiten.
Aber es wäre wohl ein Sakrileg, ein Zeitzeugnis wie die Decke oben zu zerschneiden .

Vielleicht habt ihr ja auch solche Sachen zuhause liegen- was macht ihr damit?
Umarbeiten, archivieren oder verwenden?
Zeigt mal! :)

Dienstag, 17. April 2012

Neue Geldbeutel....


Eine neue Lieferung Wachstuch ist der beste Grund, aus dem ferienbedingten Nähloch herauszukommen.
Als ich bei Anja meinen derzeitigen Liebingsstoff von Anna-Maria Horner als "laminated cotton" entdeckt habe, war ich schlichtweg aus dem Häuschen.
Ich habe schon geahnt, dass das Muster für Geldbeutel bestens funktioniert :)
Frau Horners Loulouthi außen und Amy Butlers Sun Spots innen- ist das nicht ein schönes Paar?


Nicht ganz so sicher war ich mir bei dem Apfelwachstuch-
aber schlussends ist da auch ein richtig sommerlicher Geldbeutel draus geworden.
Mit der pinken Abschlussblende bin ich noch nicht so ganz glücklich, aber das liegt vermutlich auch daran, dass ich zu der Farbe nach wie vor keinen Zugang finde......


.....to be continued- denn im Sommer werde ich wieder mal an DEM Markt teilnehmen....

Wachstuch: Stoffekontor
Schnitt: machwerk

Montag, 2. April 2012

Ein Quilt für die Tochter


So, nun ist der Tochterquilt fertig.
In der Breite habe ich noch etwas zugegeben und einen Streifen aus den letzten Stoffresten angenäht.
Die Bordüre passt sich gut an das Muster an und bildet einen schönen Abschluss.
Und ich habe so noch einmal 20cm Breite gewonnen.

Ich bin ja grundsätzlich nicht so die große Planerin, was Patchworkarbeiten betrifft.
Da entsteht viel aus dem Bauch heraus. Ich spiele mit Quadraten, schneide hier mal irgendwie über den Daumen gepeilt auseinander und füge da zusammen, bis irgendein Muster entsteht. Und das variiere ich dann mit meinen Reststoffen.
Sehr lustvoll und überhaupt nicht so konzipiert, wie das bei der genauen Arbeit der echten Patchworkkönnerinnen nötig ist.
Aber es macht eben Spaß und geht auch relativ schnell so.


Die Rückseite ist aus grün-weißem Vichykaro und  hat eine Bordüre.
(ZackZack- ich will fertig werden....)


Gequiltet hat mir das meine liebe Heike, deren Tochter die Freundin meiner Tochter ist.
So ist das Geschenk ein Stückchen Gemeinschaftswerk, ganz in alter Quilttradition.
Heike hat nur die Blöcke mäandert und das Sashing dabei frei gelassen.
Sie meinte, das wäre eine gute Sache, da man da immer ein abgegrenztes Stück vor sich hat und sich in dem übersichtlichen Bereich nicht verzettelt.
Bei ihr klingt das einfach und schaut sauber aus, aber ich hätte das wohl nicht so schön und schnell hinbekommen. Danke!!


Für das Binding war dann wieder ich zuständig- klassisch zuerst mit der Maschine genäht und dann mit einem Matratzenstich  per Hand.


Der Kater hat die Decke schon für gut befunden. :)


In der Waschmaschine gab es schlussends den leider etwas spärlichen Crinkle-Effekt.
Weiß jemand, ob das Freudenberg-Baumwollbatting im Trockner noch etwas mehr einspringt? Denn beim Waschen hat der Quilt kaum etwas an Länge und Breite verloren. Und ich mag es eigentlich sehr gern, wenn die Oberfläche noch etwas mehr Leben bekommt.

Stoffe: Quer durch die Restekiste, ergänzt mit alten weißen Laken meiner Schwiegermutter.
Größe: 150 x 220 cm
Batting: Freudenberg 275 (Baumwollvlies)

Sonntag, 25. März 2012

Manipulating Fabric- Kräuseln mit dem Gummifaden


Im zweiten Kapitel des "Manipulating Fabric" -Klassikers geht es um Raffungen.

Eigentlich mag ich keine Raffungen:
  • Der gezogene Unterfaden reißt sogar mit dem stabilsten Garn manchmal.
  • Das Annähen macht keinen Spaß, da es viel zu oft kleine eingeschlagene Fältchen gibt.
  • Rüschen sind eh nicht mein Thema.
  • Und überhaupt hatte ich die letzte Zeit eher im Garten zu tun als an der Nähmaschine.

Aber ich wollte schon lange mal ein paar Sachen mit elastischem Unterfaden auf der Spule ausprobieren, das rafft automatisch und ist spannend, da ich da noch wenig Erfahrung damit habe.


Zuerst habe ich verschiedene Formationen ausprobiert.
Das Raster schaut ( gerade in dieser Farbe! ) aus wie eine 60erJahre-Tagesdecke.


Linien kommen wie erwartet gut heraus, sowas sieht man ja auch in Läden häufig.
Je enger gesteppt wird, desto schöner und gleichmäßiger wird der Smokeffekt.


Und eine mit elastischem Unterfaden genähte Spirale wird ein extravaganter Eierwärmer.
Sehr seltsam. Aber wenn man da noch einmal kreuzweise durch die Mitte steppt, dann schaut das doch schon mal ganz gut aus:


Das war mein Ausgangspunkt.
Zuerst habe ich den Kreis außen verstürzt, aber mit zwei Lagen rafft der Stoff nicht mehr so gut-
so habe ich den Rand beim nächsten Versuch nur nach hinten gebügelt und per Hand eine Rückseite aufgenäht.


Das sieht doch aus wie ein Papiertaschentuch, das beim Waschen in der Jeans vergessen wurde, oder?

Dann kam eine sehr ungeliebte Bluse ins Spiel. Mein Versuchsstoff ist das gleiche Material- wahrscheinlich dachte ich nur deshalb an das Ding.
Ich habe einen leicht gerafften Volant unten angesetzt, da die Bluse immer zu kurz war.
In den burdatiefen Ausschnitt kam die "Blüte"mit zwei Blättern, der merkürdige Knopf wurde gekappt und hinten Abnäher gesetzt.


Ich habe die Bluse an den letzten warmen Tagen getragen und mich ausgesprochen wohl darin gefühlt.
Aber ehrlich: Geplant habe ich das alles nicht, das hat sich einfach so ergeben. Ein Ding kam zum anderen.
So ein Flow ist grandios.



Achja: Die Tochter hat die linearen Raffungen gesehen und noch ein schnelles Röckchen aus einem leichten Jaens bekommen.
Dazu muss man die Spannungsschraube der Unterfadenspule nochmal ein wenig zudrehen, dann rafft der Gummifaden auch dickeren Stoff ganz gut.


So sind Mutter und Tochter zufrieden. Wer hätte das ganz am Anfang gedacht, als ich mit Wiederwillen an die Raffungen gegangen bin. :)

Suschna sammelt wieder alle kreativen Stoffmanipulatisten, ich bin schon sehr gespannt!

Mittwoch, 21. März 2012

Elternabend- MMM


OK- total langweilig.
Ein schlichter Rock aus einem etwas aufwändigerem Stoff.
Dazu ein Rolli und die geliebten Reiterstiefel.

Damit gehe ich jetzt gleich auf einen Elternabend und werde wie immer durchzählen.
Ich kann wetten: Ich werde den einzigen Rock anhaben,
ein oder zwei Leute tragen eine schwarze Hose
und der Rest kommt in einer blauen Jeans.

So ist das seit Jahren und ich wundere mich auch nicht mehr.
Warum werden in Paris Kollektionen entworfen?
Warum gibt es jedes Jahr neues Zeug in den Läden?

Dann werde ich heute Nacht die Röcke beim MMM durchzählen und mich freuen.
Selbermacher machen das Leben auch in braunen Röcken ein wenig bunter.

Wer mitzählen will, kann das hier bei Catherine tun.
:)

Dienstag, 13. März 2012

Die Chiffonfalle


... oder der Batistselbstbetrug......
Fast jedes Jahr kaufe ich irgendwelche fludrigen Stoffe- herrliche Leichtgewichte, die in der Stoffmarkttüte nicht weiter auftragen und auch im Regal kaum Platz wegnehmen.
Einen Seidenchiffon von Givenchy habe ich nun schon über 20 Jahre und ich werde mir vermutlich meinen Sarg damit ausschlagen lassen- denn ich vernähe dieses Zeug einfach nicht gern.
Aber zum Anhimmeln ist es ein Traum!


Für mein Stoffmanipulationsprojekt habe ich die Schatzkiste aber mal geöffnet- die geplanten Raffungen lassen sich mit Leichtgewichten nun mal am besten verwirklichen.
Um wieder etwas Übung mit dem Rollsäumer zu bekommen, habe ich Stoffstreifen aus Batist mit einer Kappnaht aneinandergenäht- das gab 3 Bahnen mit jeweils 2,80 Metern Länge.
Denn Rollsäumen mit dem Spezialfuß geht erfahrungsgemäß erst ab dem zehnten Meter leicht und sauber von der Hand...


Diese drei versäuberten Bahnen habe ich aufeinanderlelegt, mit einem langen Stich mittig zusammengesteppt und auf die Hälfte der Länge angekräuselt.


Über den gezügelten Faden habe ich dann ein Schrägband zur Fixierung gesteppt.

Ich habe ja keine Ahnung, ob das mit der Stoffmanipulation so hinhaut wie ich mir das vorstelle, aber einen Frühlingsschal hab ich schon mal :)

Baumwollbatist vom Wiesbadener Stoffmarkt 2011. (Frau Elbmarie- weißt du noch? :P   )
Schnitt ist selbsterklärend

Donnerstag, 8. März 2012

Restequilt


Am Wochenende habe ich mir bei den Reutlinger Quilterinnen einen Motivationsschub abgeholt- die Tochter hat in ein paar Wochen Konfirmation und wünscht sich schon lange einen Quilt als Sommerdecke.
So haben wir noch am Sonntag Stoffe aus der Restekiste zusammengesucht und ich habe das die letzten Tage mit einem alten Leintuch meiner Schwiegermutter zusammengepatcht.
"So groß wie die Bettdecke" will die Tochter den Quilt, aber ich bin gerade noch am zögern, ob das reicht. Vielleicht setze ich an den Seiten noch ein anders gemustertes Element an, dann würde ich auf die Größe von 165 x 200cm kommen.
Oder sind 135 x 200cm auch "richtig" für einen Quilt?
Mir kommt das so lang und etwas unproportioniert vor.....


Die Mädels aus dem Kurs haben mich nicht nur zum Quilten angestachelt, sondern auch selbst tolle Taschen genäht. Ganz besonders habe ich mich gefreut, wieder mal eine Julie entstehen zu sehen, das hatte ich schon länger nicht mehr.
Und Ida aus echtem Leder kommt richtig gut und lässt sich auch mit einer normalen Bernina nähen.
Es war mir ein Vergnügen- Danke an Bärbel für die perfekte Oragnisation!