Donnerstag, 14. Januar 2016

Ein Trägerkleid: Siebdruck auf Wollstoff

Pooh, mit einem Mal ist es hier Winter geworden.
Und genau zum richtigen Zeitpunkt hat mir meine Freundin Heike einen großen Coupon Wollstoff mitgebracht: "Ich schau damit aus wie eine Leiche, aber zu dir passt das sicher gut."
Ja, stimmt.

Der Bouclé hat einen Schwarzanteil, das nimmt dem Senf die Schärfe und mildert das Pistaziengrün ab, so wird das auch für Hellhäutige wie mich gut tragbar.
Zudem lassen sich so mehrfarbige Strukturstoffe super gestalten- wenn man da eine der Fadenfarben im Druck aufnimmt ist das immer sehr harmonisch.

Bei Jeromin gibt es eine große Auswahl an sehr schönen kleinen Schablonen die sich unkompliziert mit einer Schaumstoffrolle drucken lassen:

Ich nehme für kleine Drucksachen gerne die fertige Dekaprintfarbe, die lässt sich prima verarbeiten.

Als Schnitt habe ich das bewährte Ottobre-Trägerkleid genommen, das bietet eine schöne große Fläche zum Austoben. Und ich kann bei dem Schnitt die optimale Länge gut einschätzen, das ist wichtig bei einem abgepasstem Druck. Zuerst habe ich zugeschnitten und dann losgelegt:
Nach einer Lage Blätter habe ich die Schablone ausgewaschen, abgetrocknet und dann gewendet um das Motiv spiegelverkehrt zu drucken:
Nochmal etwas fönen und die nächste Lage drucken:
um dann irgendwann man den richtigen Zeitpunkt zum Schlussmachen zu finden:

Ein Blatt kam zu Schluss noch in die Freifläche, das klärt die Form des Blätterhaufens am Saum.

Ohne den Druck wäre das Kleid etwas zu schlicht, aber der Druck lenkt den Blick unweigerlich nach unten zu den Beinen. Die finde ich an mir  ganz OK. :)
An der Empirelinie habe ich die Webkante zwischengefasst, das gibt nochmal einen organischen Effekt der gut zu den Blättern passt.

Hier nochmal vorne und hinten:
Ich trage das Kleid jetzt schon ein paar Tage, Wollstoffe sind einfach unschlagbar bei diesen Temperaturen.
Eine passende Jacke ist in Arbeit.....

Schnitt: Ottobre 2/08
Stoff: 80% Wolle, 20 % Polyester, ein Geschenk der liebsten Nähfreundin. ( Danke!)
Schablone, Roller und Dekaprint aus dem Jeromin-Shop

(Sabine Jeromin bietet in Mannheim immer mal wieder Schnupperkurse zu verschiedenen Techniken an, ihr Blog ist eine Fundgrube an Ideen.
Im Herbst werde ich mit ihr zusammen einen Kurs in Speyer geben auf den ich mich schon sehr freue. Dort wird dann das Gestalten und Vernähen von abgepassten Drucken ein Thema sein.)

Montag, 21. Dezember 2015

Sterne: Gefaltet und genäht

Papiersterne sind tolle Last-minute-Geschenke für Eltern oder Großeltern.

Die Tochter hat schon zum ersten Advent mit der Falterei angefangen, sehr nett fand ich deshalb bei der diesjährigen Adventsdeko, dass immer mal wieder ein Stern dazukommen konnte.
Für den großen stehenden (Anis-)Stern haben wir Papier mit Holzmaserung ausgedruckt, für andere hat sie Packpapier oder Origamibögen genommen.
Mir gefallen die unterschiedlichen Tiefen sehr gut, manche Sterne sind richtig plastisch.
Die Anleitungen findet ihr hier:
Anisstern, Packpapierstern, Sonnenstern

Ich habe passend dazu einen Kerzenring genäht, auch das wäre ein gutes KurzVorWeihnachten-Projekt.
(Wer noch nähen mag: Die Ladestation und das Strickzeugmäppchen gehen auch superschnell!)

Hier noch ein Projekt für fortgeschrittenere Papierfalter:
Ein Stern mit Klappmodulen.
Verblüffend, aber mit 6 - 8 Stunden Faltzeit ist das wohl eher ein Projekt für die Weihnachtsferien.....
(Verlinkt bei der lieben Susanne, die an den Montagen im Dezember Papiergeschenke sammelt.)

Ich selbst bringe die Woche noch ein paar Projekte zuende, das kann ich aber alles erst nach Weihnachten zeigen....



Ich wünsch euch ein gesegnetes Weihnachtsfest!

Montag, 14. Dezember 2015

Double Gauze: Eine Tunika

Die liebe Grete hat ja schon öfter über Double Gauze geschrieben und sehr geschwärmt- aber so richtig kann man ihre Begeisterung nur nachvollziehen, wenn man das selbst mal verarbeitet hat.

Bei dem Stoff handelt es sich um zwei miteinander verbundene Stoffschichten, einzelne Fäden der Rückseite binden im losen Abstand die Vordereite an. Die beiden Lagen sind locker gewebt und sehr leicht, aber wegen der eingeschlossenen Luftschicht dazwischen wärmen sie erstaunlich gut.
Ganz toll finde ich die sauberen Stoffkanten, die muss man bei einem Borderprint wie hier nicht einmal umnähen.
Überhaupt: Der Druck.
Ich bin ganz verliebt in die verwaschenen Farben und die cappuccinofarbenen Kanten. Das würde ich bei Gelegenheit mal gern mit eigenen Mitteln auf einer anderen Qualität nachstellen.
Die aufgedruckten Glitzersplitter habe ich mit Steppstichen umrandet und so das rehbraun nochmal im Stoff auftauchen lassen.
Ich hatte gerade genug Stoff für eine Tunika für meine zierliche Tochter. Ich überlege aber gerade, ob ich mir  nicht aus der dunklen Farbstellung noch ein eigenes Oberteil nähen soll.
Da ich schon seit Jahren selten Hosen trage fehlen lässig-längere Oberteile völlig in meinem Kleiderschrank.

Schnitt: Aus einer älteren Burda, leider ist mein Schnitt nicht beschriftet.
Den Stoff gibt es bei Eva in hell und dunkel.
Grete hat ihn sogar in Uni!
(Achtung: Double Gauze liegt nur 110 cm breit, man braucht also für ein Oberteil mindestens Hüftumfang + Ärmelbreite+ 10 cm Sicherheit. Dann kann man den Borderprint als Abschluss nehmen.

Sonntag, 6. Dezember 2015

Ein Freebook von Elbmarie: Johnboy aus Wollfilz


Die liebe Frau Elbmarie hat sich einen schönen Basicschnitt als Nikolausgeschenk für euch ausgedacht. Am heutigen zweiten Advent wird ihr Freebook zum Herunterladen freigegeben.
Ich habe für meine Version ihres Johnboy meinen bestickten Wollfilz verarbeitet.

Leider war das Stück etwas knapp für den Zweck, deshalb habe ich den Schnitt auf 80% verkleinert und den Trägerabstand auf die breitere Stickerei angepasst.
So sind die Proportionen etwas anders- aber das ist ein großer Vorteil des Schnittes. Man kann ihn recht einfach modifizieren.
So hat mein  Johnboy auch eine aufgesetzte Außentasche bekommen- der RV ist ohne Taschenbeutel offenkantig eingearbeitet. Die Kanten der Tasche verstecken sich unter den Trägern.
Richtig gern mag ich die Eckpatches, sie passen sehr gut zur 70er-Anmutung der plastischen Applikation und geben der Tasche einen guten Stand.
Innen habe ich den herrlichen Stoff von Amy Butler zu einer abnehmbaren Tasche verarbeitet. Sie ist mit einem Klettband befestigt und kann ratzfatz entfernt und separat benutzt werden.
2 mm starker Wollfilz (z.B. via Filzshop24 )
Stoff aus der neuen Serie von Amy Butler: Kleiner Stern
metallisierte Reißverschlüsse, Henkel und Metallteile

Den Schnitt könnt ihr bei Frau Elbmarie herunterladen.
Danke, Sabine!

Sonntag, 29. November 2015

Stoffspielereien: Folklore (Applikationen und Paper Piecing)

Lucy hat "Folklore" als Novembermotto für die Stoffspielereien vorgeschlagen.
Das Thema beinhaltet eine ganze Fülle an Möglichkeiten: Angefangen von Smokeffekt an ungarischen Bauernblusen zu japanisch-strengem Sashiko, von indischen Stickereien mit kleinen Spiegeln bis hin zu traditionellen amerikanischen Sternenquilts. 

Meine erste Assoziation waren aber die Motive wie ich sie aus der Bauernmalerei der 70er kenne. Bei meinen Eltern steht auch heute noch eine floral verzierte Milchkanne im Flur....
Die Malereien sind heute etwas befremdlich, aber in einem weniger ernst gemeinten Kontext sind sie gerade wieder hochaktuell. Deshalb habe ich mich vor zwei Wochen sehr gefreut, im kleinen Stern ein passendes Stoffstück aus der aktuellen Amy-Butlerkollektion  zu finden.
Das sollte mein thematischer Ausgangspunkt für eine plastische Applikation werden. Und ihr seht: Ich bin an einem Fußballabend fast fertig geworden.
Die Stickerei durch den 2mm starken Filz ist aber ziemlich anstrengend- verbunden mit der üblichen Vorweihnachtsüberlastung hatte ich am folgenden Morgen bohrende Schmerzen im Daumengelenk. Arthrose, das kenne ich leider schon. 
Manchmal merke ich wochenlang nichts, dann ist das Stechen fast nicht auszuhalten.
Ich weiß dass es wieder besser wird. Aber an festes Zupacken beim Sticken durch das dicke Material ist gerade nicht zu denken.
So bleibt das erst mal unvollendet- aber ich zeige euch schon mal, wie plastisch und farbstark die Filzapplikation geworden ist.
 Die kleinen Stiche sind technisch nicht schwer.

Nähen an der Maschine geht aber immer, deshalb habe ich mir einen anderen Ansatz gesucht.
Bei textiler Folklore denke ich auch an die amerikanischen Quiltklassiker. Das war einmal ein guter Anlass mich mit dem Thema Paper-Piecing zu beschäftigen.
Der erste Versuch war für mich als Anfängerin  viel zu kleinteilig, irgendwie habe ich gar nicht begriffen wann welche Linien wohin gehören und was weggeschnitten werden soll. 
Einen Fehlversuch seht ihr hier:
Da war das Stoffstück wohl zu klein. Gerade am Anfang sollte man nicht zu sparsam sein wollen :)
Also nochmal: Ein neues (für mich) logischeres Motiv, vergrößert auf "das.passt.gerade.noch.so.aufs.Papier".
Na bitte, geht doch. Und wenn  man sich erst mal dran gewöhnt hat spiegelverkehrt zu denken ist das auch gar nicht so schwer. Und man kann so herrlich präzise arbeiten!

Einen ganzen Quilt möchte ich so zwar nicht nähen- das Konfetti beim Heraustrennen des Papiers nervt schon ziemlich. Aber für ein Kissen mit großem Motiv ist die Technik gut geeignet.
Eine ganz tolle Sammlung an schönen PP-Motiven findet ihr hier, da habe ich auch dieses Motiv (Rolling Star von Quilting on the Square) gefunden.

Mehr Folklore gibt es heute bei Lucy im Nahtzugabe-Blog.
Euch wünsch ich einen schönen ersten Advent!

Freitag, 20. November 2015

Drei Bücher von Bloggerinnen

In den letzten Wochen sind drei Bücher von Bloggerinnen erschienen, alle drei spiegeln perfekt den Ansatz der jeweiligen Blogs wieder und gehen ganz unterschiedlich mit dem textilen Thema um.

Lucy Nahtzugabe ist eine begnadete Erklärerin und hat ein über Jahrzehnte angehäuftes Praxiswissen. Sie zeigt in ihrem Buch an alltagstauglichen Beispielen wie man Kleidung reparieren und umarbeiten kann.
Sie stellt z.B. einfache Techniken wie die umgekehrte Applikation nach Natalie Chanin vor. Dabei werden auch Refashion-Neulinge nicht überfordert- einen Stern auszuschneiden bekommt man leicht hin. Dazu braucht es eben nur die gute Idee.
Ganz neu war für mich die Anregung, Löcher in Wollpullovern zu überfilzen. Das werde ich sicher mal ausprobieren.


Einen ganz anderen Ansatz hat Meike. 
Ihr Blog lese ich, weil sie einfach toll texten kann.
Und das macht auch das Buch aus. Sie beschreibt auf ihre unvergleichliche Weise Situationen die wir Näherinnen alle kennen. Den Frust beim Kleiderkauf, die Jagd nach dem perfekten Schnitt, die Freude beim gemeinsamen Nähen und die wichtige Vernetzung über gemeinsame Aktionen wie dem MMM. Beim Lesen dachte ich immer wieder: "Genau. So isses."
Das Buch liest sich deshalb total flüssig, mich stören nur die Verkehrsinseln in Form der Schreibschriftteile und die etwas unmotiviert eingestreuten Kritzelzeichnungen. Die sind wohl dem Verlag geschuldet, der sich ein lockeres Layout wünschte. Mit etwas mehr Zeit wären da wohl wirklich erklärende Illustrationen machbar gewesen.
Ganz ohne Verlag hat Suschna ihr erstes Buch auf den Markt gebracht.
Das allein ist schon absolut bemerkenswert. Ich glaube nämlich, dass in der gut vernetzten Bloggerwelt ein Verlag nicht mehr unbedingt nötig ist.  Lucy hat das Lektorat übernommen, die Freude der beiden beim Auspacken der Bücher kann ich mir richtig gut vorstellen.

Suschna hat unglaublich viele textile Redewendungen zusammengetragen und erklärt sie sachlich und fundiert. Wenn sie dann auch noch vorschlägt, einen Magneten zum Auffinden der Nadel im Heuhaufen zu nehmen - das ist verblüffend und unterhaltsam.
Es ist Suschna wirklich gelungen, ein Buch wie eine Pralinenschachtel zu schaffen:
Textile Happen für zwischendurch zum Staunen und Schmunzeln. 

Die liebevolle Aufmachung mit Lesebändchen und wertigem Papier, verbunden mit Illustationen aus alten Musterbüchern läd ein, das Buch immer mal wieder in die Hand zu nehmen.
Mich hat das ein wenig an meine geliebten Inselbücher erinnert, das ist sicher nicht die schlechteste Assoziation.

Da das Buch im Eigenverlag erschienen ist unterstütze ich den Verkauf sehr gern und biete "Verflixt und Zugenäht" in meinem Shop an.
Denn das Buch ist ein perfektes Weihnachtsgeschenk für eine nähende Freundin!

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Die Bücher könnt ihr im Netz bei Buchhandel.de bestellen, auf diese Plattform hat mich meine Buchhändler-Freundin aufmerksam gemacht.
Über buchhandel.de kann man zugleich lokal und online einkaufen. Bestellte Titel können nach Hause geliefert werden, sie können aber auch direkt vor Ort in der Lieblingsbuchhandlung abgeholt werden. 
So kann man ganz bequem vom Rechner aus den lokalen Buchhandel unterstützen.

Dienstag, 3. November 2015

Etuis mit zwei Reißverschlussfächern.

"Ein Smartphone brauche ich nicht."
Noch einen Zeitfresser mehr wollte ich lange nicht haben- denn ich kenne ja meine Disziplin was elektronische Gimmicks betrifft...
Aber nachdem die Kommunikation mit den Kindern nun mal am leichtesten über WhatsApp läuft und da in letzter Zeit einiges schief gelaufen ist habe ich nun doch so ein Ding.
Es ist wie erwartet: Ein Zeitfresser.
Und ein Grund, mal wieder Täschchen zu nähen.

Mein Handy liegt eigentlich immer offen herum oder steckt in einer Jackentasche- dafür brauche ich keine Hülle. Nur für den Transport des Telefons zusammen mit dem Ladekabel wollte ich ein Etui mit zwei Fächern.

Hier seht ihr meinen ersten Versuch aus Probestoff: Schon nett, aber irgendwie lag das nicht sonderlich gut in der Hand. Ein kleines dickes Etui halt.
Das auch nicht hübscher wird wenn es zwei Reißverschlüsse hat.
Die Optik habe ich aber gleich nochmal aufgegriffen und eine Toilettentasche genäht. Sowas wollte ich schon lange mal ausprobieren und war ganz erstaunt, wie einfach das zu entwickeln war.
Vom Nähprinzip sind das zwei Strickzeugetuis, die werden gleich am Anfang an der späteren Trennwand aufeinandergenäht und dann einzeln fertiggestellt.
Mit dem Stoffmuster habe ich mir allerdings keinen Gefallen getan- da sieht man jede kleinste Abweichung sofort. Aber ich liebe dieses Design- das ist sogar männertauglich.

Mein Handyetui habe ich dann ganz schlicht nach einer Idee von noodlehead genäht.
Das Nähprinzip ist auch hier bei Youtube ganz gut erklärt. (Wobei das mit RV-Meterware noch viel einfacher zu nähen ist.)
Das war dann auch die perfekte Stelle um meine neuen kupferfarbenen Reißverschlüsse in Szene zu setzen.
Das Leinen ist eine echte Rarität von Cotton+Steel, Eva hatte noch einen kleinen Rest im Laden.  Der Stoff ist etwas fester, da nähe ich auf jeden Fall noch eine Tasche draus.
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Einen andere Rarität habe ich für den Shop verarbeitet.
Aus dem letzten Stück des geprägten Vintage-Leders sind vier Geldbeutel entstanden.
Auch hier habe ich wieder Stoffe von Cotton+Steel verarbeitet- die schlicht-grafischen Designs gefallen mir gerade sehr gut. 

(Und in dem Kontext nochmal ein Loblied auf meine Ledernähmaschine: Mit dem festen Leder hätte sich meine alte Pfaff richtig geplagt und ich hätte mich durch die entscheidenden Nähte gezittert.
Mit der 335 näht sich Leder so einfach- ich hätte mich schon viel früher für dafür entscheiden sollen...)
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Viel Spaß heute Abend beim Nähgucken: Um 20:15 läuft auf Vox "Geschickt eingefädelt"!
Lucy hat wie so oft eine tolle Zusammenfassung alles Wissenswerten geschrieben.