Donnerstag, 20. Juni 2013

Eine Auflage für die Liege zu nähen .....


Eine Auflage für die Liege zu nähen zählt alle zwei bis drei Jahre zu den Arbeiten, die ich ewig vor mir herschiebe. Die mich dabei aber völlig blockiert, denn das schlechte Gewissen lässt mich dann auch nicht an nettere Näharbeiten denken.

Also habe ich diesmal versucht, der stupiden und unkreativen Arbeit des Neubeziehens des verschlissenen Polsters einen Zuckerguss in Form eines angehängten Kissens zu verschaffen. Als Motivationsschub.


Ich habe Eau de Javel in eine alte Sprühflasche gefüllt und selbstgefärbten derben Baumwollstoff damit behandelt. Je nachdem, wie man aufsprüht (von oben oder sehr diagonal, im Verlauf oder Allover ) sind die Ergebnisse ganz unterschiedlich. 
10 Minuten nach der Behandlung ist die Farbe weggebleicht- je nach Grad der Durchfeuchtung ist das Ergebnis dann weiß oder eher schmutziggelb. Ich habe den Stoff noch etwa eine Stunde der Sonne ausgesetzt und  dann gut ausgespült.
Wirklich kontrollieren lässt sich das Ergebnis nicht, aber spannend ist es allemal.


Die zwei besten Versuche habe ich für die Vorder-und Rückseite des Kissens genommen. Da der Reißverschluss an der unteren Kante sitzt kann ich das Kissen auch wenden.


Die Auflage wurde bereits von Zwei- und Vierbeinern in Beschlag genommen.


Diese Entfärberei ist ausbaufähig, man kann z.B. Bereiche vor dem Besprühen abkleben (dabei die Kanten besser andrücken als ich hier gemacht habe), man kann die Bleiche aber auch mit Kartoffelstempeln auf feineren Untergrund drucken.


Am 30. Juni ist wieder ein Termin für die Stoffspielereien, diesmal werde ich die einzelnen Beiträge verlinken.
Wäre das nicht mal eine gute Gelegenheit das schon-ewig-gekaufte Freezerpapier herauszuholen, mit den Kids Kartoffeldruck zu machen oder zu batiken?
Denn das Thema diesmal ist: Druck und Farbe.
Wie wär´s?

Mittwoch, 12. Juni 2013

Burda 1966-1969


Es ist ja keine Überraschung mehr, dass ich ein großer Burda-Fan bin. Mit der Carina habe ich das Nähen gelernt, bei Burdaschnitten weiß ich aus jahrelanger Erfahrung, was ich abändern muss, damit die Sachen passen.
Letzte Woche habe ich dann nach einer Kleinanzeige im hiesigen Wochenblatt ein paar ältere Exemplare bei verschiedenen sehr netten Damen abholen können. Mit dem festen Vorsatz, mal richtige 60´s-Schnitte zu verarbeiten.
Zuerst bin ich über die Sprache gestolpert: Schneidern statt nähen, Mannequin statt Model. Nett :)

Weniger nett waren die Maße- mit einer 70er-Taille würde ich heute eine 38 nähen, 1966 wäre ich zu Größe 42 verdonnert gewesen. Die Hüft- und Brustmaße sind gar nicht so unterschiedlich, aber die Kurvigkeit war früher sehr stark ausgeprägt.
Ob die Frauen früher andere Maße hatten kann ich nicht beurteilen, aber sie haben sich diese Maße gemacht. In fast jeder Burda gibt es ganz selbstverständlich Strecken und Werbung mit figurformender Unterwäsche. Das "Untendrunter" mit Miederbodys, Unterkleidern und schrecklich spitzen BHs war sehr wichtig für die propagierte Silhouette.

Das Kleid ist prima, aber der Brustpunkt sitzt wahrscheinlich 4 cm höher als bei einem vergleichbaren heutigen Modell. Klar kann man das anpassen, aber dann muss auch die gesamte obere Linie geändert werden. Schade, denn das Kleid ist sehr sehr schön.
Hier nochmal ganz deutlich:

Die Burdaschnitte in den alten Zeitungen sind keine Mehrgrößenschnitte, jedes Modell war in der Regel in einer Größe auf dem Schnittbogen. Die Tochter hat herausgesucht, wo die Größenschwerpunkte lagen:


Die meisten Schnitte gab es zum Glück in 42 oder 44, das ist auch die Größe, nach der ich für meine Projekte geguckt habe.


Ich will diese beiden Kleider. Und die Schuhe. 
Überhaupt entsprechen die Schuhe der späten 60er meinem Ideal. Kräftige Farben, nicht allzu spitze Kuppen und Riemchen in allen Varianten:

Und für Monika, die Strickkönigin- es gab auch Handarbeitsstrecken:


Ah ja: Es gab in den Zeitungen fast keine Hosen.
Aber eine Menge Haushaltstipps waren in der Burda:
Die ambitionierte Hausfrau kocht Aal in Biersoße ( "vom Fischhändler bereits getötet, abgezogen und ausgenommen") und wäscht sich einmal wöchetlich die Haare (" Häufigeres Waschen jedoch schadet") und verwendet statt dessen Trockenshampoo.
Oder trägt überhaupt eine Perücke oder zumindest ein Haarteil.
(Ich kann mich auch noch an einen Styroporkopf mit einer Perücke auf der Frisierkomode meiner Mutter erinnern- das war damals echt gängig! )


Ja, das Frauenbild der 50er und 60er. Da wird mir jetzt noch ganz schlecht.
Wer mal zwei Kostproben der stockspießbürgerlichen Moral haben möchte kann jetzt zum Abschluss die beiden Texte durch Draufklicken vergrößern.

Mein Lieblingssatz: " Reißen sie sich zusammen."







Donnerstag, 6. Juni 2013

Shirt mit Wasserfall-Ausschnitt und alte Schätze


Manche Stoffe sind so modisch, dass man sie ganz frisch vernähen muss.
So ging es mir mit dem abgepassten Fotodruck aus Evas Laden, solche Motive sind ja gerade ganz neu in den Stoffregalen und sehr dankbar zu verarbeiten.
Angeschnittene Ärmel, ein Wasserfallausschnitt , säumen und fertig :)
Den Rest macht der Stoff.


Für das Shirt habe ich den Ausschnitt vom Dodokleid  genommen, die Schultern überschnitten und die seitliche Raffung weggelassen. Es fällt beim Tragen manchmal etwas von der Schulter, aber das ist schon OK so. In den 80ern hatte ich ganz viele von dieser Sorte.....


Apropos 80er:
Guckt euch mal diese Blüten an. Der Stoff war mal topmodisch und ich habe damals (1985?) nur die lila Version mit etwas kleineren Blüten zu einem sehr kurzen Kleid vernäht.
Er stammt (wie damals fast alle meiner Stoffe) aus dem Fabrikverkauf von Givenchy-en-plus in Rehau. Der Rips hat eine herrliche Qualität und wäre immer noch das perfekte Etuikleid für ein Sommerfest.
Knallroter Lippenstift dazu und rote Schuhe.
Der Rest wäre ziemlich egal- das registriert dann niemand mehr.
Hach, vielleicht sollte ich doch mal reinschneiden.


Diese Wollstoffe sind Jahrgang 1988. Eigentlich wollte ich für mein Praktikum in einem französischem Atelier ein richtig chices Kostüm nähen- so eine Kreuzung aus Claude Montana und Chanel. Aber in Lyon waren alle derart casual, da habe ich die Stoffe wieder unvernäht mit nach Deutschland genommen.
Jetzt, nach 25 Jahren sind die Farben wieder topaktuell, die Mottenlöcher halten sich in Grenzen- das wird vielleicht ein Kostüm für den Herbst.
(Wobei ich da ganz arg aufpassen muss dass das nicht madamig wird.)

Habt ihr auch noch ein paar unvernähte Schätze?
Und seit Jahr(-zehnten...) passende Pläne?
:)

Mittwoch, 29. Mai 2013

MMM: Eine Leinenjacke


Gestern hat Ellen eine ganz bezaubernde Leinenjacke gezeigt,  ein ähnliches Exemplar ist gerade auch mein ständiger Begleiter.
Mein Jäckchen ist nicht sehr fotogen: Die Form eher schlicht, die Farbe kann man in besten Falle als anpassungsfähig beschreiben. Dabei sind schlammfarbene Kastenjacken perfekte Allrounder. 


An den Knittern ist gut zu sehen, dass ich diese Kombi die letzten Wochen sehr viel anhatte. Das derzeitige Herbstwetter hat mich automatisch zu gedeckten Tönen greifen lassen.
Dabei knallt die Jacke innen ganz schön:


Die Viscose innen ist der Rest eines Mantelprojektes, zwischen dem Futter und den Besätzen habe ich eine Streberpaspel in rot eingebaut.



Bei der Verarbeitung habe ich mir im letzten Jahr alle erdenkliche Mühe gegeben:
  • Ärmelfische sind super für den perfekten Sitz von eingehaltenen Ärmeln.
  • Die Taschen sind zwar viel zu klein, aber als dekorative Elemente mit Absteppungen außenherum sind sie wirklich schön.
  • Den zweigeteilten Kragen habe ich streng nach der kryptischen Burda-Anleitung verarbeitet- das zahlt sich mit recht gutem Sitz aus und ich habe echt etwas gelernt.
Die Jacke selbst ist erst vor einigen Wochen fertig geworden, ich habe nämlich monatelang die Knöpfe nicht mehr gefunden, nachdem mir Heike an ihrer Maschine die Knopflöcher genäht hat.
Ich wusste, dass ich die Knöpfe dann mit ins Haus genommen habe. Und dann habe ich sie irgendwo hingelegt........
(Und ich erzähle euch jetzt nicht, wo sie waren....)


Happyend: Die Jacke ist fertig und ich habe sie die letzten Wochen schon viel getragen. Sie passt nämlich zu allem. Wärmt und ist trotzdem irgendwie unsichtbar :)

Der Schnitt ist aus der Burda 8/2011, ich habe die Weite etwas rausgenommen und die Rückenfalte weggelassen. Kleinere Anpassengen nach dem Probemodell waren nötig, aber da erinnere ich mich nicht mehr so genau.....
Das Leinen ist vom Stoffmarkt.

Tolle Sachen gibt es wieder beim MMM, da werde ich dann mal nach Sommerkleidungs-Inspirationen gucken gehen. Schließlich beginnt am Wochenende der Juni!!

Sonntag, 26. Mai 2013

Stoffspielereien: Geflochtenes Karo

 
Die Stoffspielereien im Mai sind ein echtes Abfallprodukt meines augenblicklichen Großprojektes.
Der Sohn wird nämlich demnächst 18 und wird endlich seinen Quilt bekommen.
 

Beim Zuschnitt der großen Stücke aus den Fat Quartern der Parson-Gray-Serie ist zwischen dem Kreissegment und dem Hintergrund immer ein Streifen Stoff übriggeblieben.
Das läd zum Herumspielen ein:


Die Streifen sind weitestgehend im schrägen Fadelauf geschnitten und somit fransen die Kanten auch fast nicht aus. Es reicht, wenn die Bänder auf dem mit Volumenvlies verstärkten Grund mittig aufgesteppt werden.
Ich habe das Musterteil gleich gewaschen, das Gitter gewinnt durch die weicheren Übergänge noch an Charakter.


Um auf eine für Jungs vernünftige Größe zu kommen habe ich noch zwei seitliche Musterstreifen ergänzt. Das beruhigt das Gitter und gibt einen schönen haptischen Kontrast.
Jetzt hat das Kissen 40 cm x 60 cm, eine Paspel außenrum und hinten einen verdeckten Reißverschluss.
Nur der Quilt ist noch nicht fertig.......
(Aber bald.)
(Hoffentlich!)

 
Diesen Sonntag sammelt Karen die Beiträge für die Stoffspielereien, sie hat auch das Thema "Karo" vorgegeben. Karen hat auch keinen karierten Stoff hergenommen sondern sich eine ganz eigene Fläche gestaltet.
 

Mittwoch, 8. Mai 2013

MMM: Ein Empirekleid ( Burda 5-2010 )

Das Kleid vom letzten Wochenende ist genau mein Ding, und nachdem das Wetter unerwartet mitspielt kann ich es auch schon am heutigen MMM tragen....

Frau machwerk liebt
  • die Empirenaht- das ist so schön stoffsparend. Hier hat ein Stoffmarkt-Coupon von 1,30 m knapp gereicht. Zwar passen die Karos an der Seite nicht zusammen, aber das war in dem Fall nicht anders zu machen. Und Empire ist figurfreundlich.
  • Degradé (oder Ombré) diesmal als Karo. Diese Farbverläufe sind ja gerade aktuell und ich freu mich schon auf ein paar Färbeversuche im Sommer.
  • Grün. Meine Lieblingsfarbe in allen Schattierungen.
  • Und den viereckigen Ausschnitt habe ich gerade für mich entdeckt. Diesmal musste ich am Ausschnitt auch gar nichts basteln, in der Burda 5-2010 ist das Kleid genauso drin. Zwar ist es im Original mit einem Ballonsaum (mit Gummi!), aber das kann man ja weglassen. Das Rockteil habe ich etwas tailliert.


Das Oberteil ist gefüttert, so ist das viel einfacher zu verarbeiten als mit den in der Burda oft angegebenen frickeligen Belegen.
Schulterbreite, Ärmelweite, das alles hat wunderbar gepasst.


Die Fotos hat heute morgen die Lieblingsnachbarin gemacht, da war das Kleid noch schön glatt. 
Das Leinengemisch neigt leider stark zum Knittern, ich muss in Zukunft dran denken mich ordentlich hinzusetzen und das Rückteil unter dem Po dabei glattzustreichen :)
Schöne selbstgenähte Kleidung gibt es wie jeden Mittwoch im MMM zu sehen.

Dienstag, 7. Mai 2013

Fremde Federn.


Als Kursleiterin sehe ich Taschen wachsen ohne selbst zu nähen.
Das ist Segen und Fluch zugleich. Denn meist bitzelt es mich schon sehr in den Fingern, auch etwas in Angriff zu nehmen. Vor allem in Evas Laden ist das so, fast jeder Stoff ruft laut:
"Vernäh mich! Gleich!"

Manchmal, wenn die Konzentration am Ende des Workshops nachlässt, dann helfe ich auch mal einer Teilnehmerin.Wie zum Beispiel am letzten Samstag, als eine 13-jährige Teilnehmerin nach 8 Stunden nicht mehr ganz so aufmerksam war. So konnte sie sich dann eine phantastische Rüschenzita mit nach Hause nehmen. (Unten in der Mitte links- klasse, oder?)

Mir bleiben am Ende nur die Fotos und die Erinnerung an einen tollen Kurs.
Und meist nähe ich am nächsten Tag selbst. :)

Eva vom kleinen Stern hat auf ihrer brandneuen facebookseite auch noch ein paar Fotos, guckt doch mal rüber!

Tasche Zita im Werden

Zudem hatte ich am Wochenende ein  Foto von Susanne im Mailfach, das muss ich euch zeigen. Sie hat für die Rüschen der Zita eine Jellyroll genommen. Da die vorgeschnittenen Streifen nicht so breit sind hat sie die Rüschenanzahl einfach verdoppelt.
 Irre, oder?

Danke für das tolle Foto und die gute Idee!