Sonntag, 26. August 2012

Manipulating Fabric: Smoken


Im siebten Kapitel beschreibt Colette Wolff, welche Möglichkeiten es beim Smoken gibt.
Zugegeben, ich war überfordert.


Erst als mir meine Freundin und Trachtenexpertin Angelika die Grundbegriffe inEcht gezeigt hat konnte ich nachvollziehen, wie diese Technik überhaupt anzugehen ist.


Grundsätzlich wird der Stoff zuerst mit Zügelfäden in gleichmäßige Falten gelegt. Diese Falten werden dann von der rechten Seite aus mustermäßig zusammengenäht.
Man fixiert quasi zwei Faltenberge und sticht dann entweder unsichtbar auf der linken Seite diagonal zum nächsten Punkt oder (das ist einfacher) auf der rechten Seite wie im Beispiel weiter unten.
So ergibt sich eine sehr plastische und elastische Fläche.


Eigentlich wollte ich ja während des Olympiaguckens smoken, wer aber das Beachvolleyballfinale gesehen oder mit Mo Farah über die 5000 m gezittert hat, der kann nachvollziehen, dass das alles viel zu spannend zum Handarbeiten war.
So ging Olympia vorbei und ich hatte nichts umgesetzt......
Bei einer 400 km-Trip auf dem Beifahrersitz kam dann ein kleines Täschchen heraus.
Immerhin.


Bei weiteren 450 km ins heimatliche Oberfranken bin ich dann ein größeres Projekt angegangen.
Einfarbige Stoffe kann man nicht so exakt in Falten legen wie den gemusterten Clipbörsenstoff. Angelika hat mir Zügelband überlassen, das habe ich auf die linke Seite gesteckt und konnte mich dann beim Faltenlegen am eingewebten Karo orientieren.


Hier sieht man gut, wie diagonal gestochen werden muss, damit die Elatizität erhalten bleibt.
Die Fadenstege liegen hier im Gegensatz zur Clipbörse an der Oberfläche und ergeben ein Zickzackmuster.

Irgendwann smoke ich den anderen Teil der Tasche und suche mir noch passendes Leder für den Rand und die Träger.
So geht es vermutlich den Sockenstrickerinnen, der zweite Strumpf ist nur noch ein Copy&Paste und nicht sonderlich spannend. Fleißarbeit eben.

Denn im Kopf ist die Tasche eigentlich schon fertig.
Und der passende Rock übrigens auch :)

Meine Manipulating-fabric-Komplizinnen Kathrin und Kaze haben übrigens schon im Winter mit dieser Technik experimentiert.
Was es im August an neuen Projekten gibt trägt wie immer Suschna zusammen - vielen Dank!

Montag, 20. August 2012

Lila Früchte


Violett, lila, aubergine- im Garten ist Haupterntezeit!
Oben wohl das Naheliegendste, wenn man an lila Früchte denkt: Die Aubergine.
Sie gibt es nicht nur klassisch auberginefarben ( Diamond )
sondern auch hübsch gestreift ( Listata de Gandia )
Leider sind Auberginen bei mir im Gewächshaus spinnmilbengefährdet- deshalb habe ich die beiden Sorten im Garten meines Vaters fotografiert.


Brombeeren- die sind dieses Jahr recht klein, das Wetter hat hier nicht gepasst.
Aber für Marmelade reicht das allemal.


Peperoni- guckt vor allem mal die wunderschön panaschierten Blätter der Variegata an, die Früchte reifen rot nach und sind recht scharf. Auch die lila Zwergpaprikas reifen rot ab, man kann sie aber (wie übrigens alle Paprikasorten) schon grün oder in dem Fall lila ernten.


Ich habe vier Traubensorten am Haus-  die früheste Sorte ist Mitschurinski, sie ist robust und wächst zuverlässig auch in raueren Lagen. Zudem ist sie mehltauresistent.
Die Mirabelle habe ich wieder bei meinem Vater fotografiert, dort in Oberfranken nennt man diese Sorte Kriecherla. Eigentlich ist es eine St Julien Pflaume, sie wird gern als schwachwachsende Unterlage für Pflaumen, Aprikosen und Pfirsiche verwendet.
Das Fruchtfleisch löst sich ganz schlecht vom Stein, mir tun meine Eltern ein bisschen leid, sie müssen jetzt Massen von Pflaumenmus kochen und essen.


Die Bohnen sind im Rohzustand schön dunkellila, aber sobald sie mit heißem Wasser in Berührung kommen werden sie grün. Schade. Aber lecker!

Ansonsten gibt es hier gelbe und grüne Zuccini, Tomaten in vielen Farben und massig Kohlrabi.
Schulferien und Haupterntezeit, deshalb komme ich gerade auch gar nicht zum Nähen :)

Mittwoch, 15. August 2012

Eine Tasche aus Leder zu nähen....


... ist echt nicht schwer.
Und ich ärgere mich nur, dass ich das nicht schon viel früher mal angegangen bin.
Es gibt auch gutes Kunstleder, aber echtes Leder ist robust, greift sich gut, riecht authentisch und bringt die für das Taschennähen notwendige Stabilitat und Schwere mit.

Eins der größeren Lederteile hat genau für eine Anna gereicht.
Der Schnitt ist ein gutes Einsteigerprojekt zum Ledernähen, die Nähte sind gerade und es treffen selten mehr als 2 Lagen Leder aufeinander. Nur beim Zwischenfassen des Trägers wird es etwas kniffliger, aber den kann man bei dickerem Leder auch gut aus Gurtband machen.


Wie immer: Hinten hat die Anna eine große Reißverschlusstasche für die wichtigen Dinge.....


....und vorne eine aufgesetzte Tasche.


Zum Nähen selbst hier meine Erfahrungen:
  • Füßchen: Bei langen geraden Nähten (z.B. beim Träger) und nicht mehr als zwei Lagen ist das Rollenfüßchen optimal. Durch die Rollen reicht der Füßchenhub allerdings nur für drei Lagen aus. Das Stichbild ist sehr gut. Der Fuß ist allerdings in Kurven etwas sperrig.
    Bei mehr als 3 Lagen Material habe ich zähneknirschend das normale Füßchen genommen, mit etwas Fingerspitzengefühl ging das aber auch. Mein Teflonfüßchen ist verschwunden, aber ich habe gestern Ersatz bestellt, das kann ich sogar ohne den Adapter an meine Pfaff 260 schrauben .
  • Nadeln: Ledernadeln sind nur bei wirklich dickem Leder sinnvoll, ich habe alles mit einer neuen 100er Nadel genäht und das ging wunderbar.
  • GarnJeansgarn ist stabiler, das ist vor allem während des Nähens besser. Normales Nähgarn reißt durch die Reibung leichter. Zudem hat das Garn noch etwas dicker und markanter, das mag ich gerade bei Absteppungen gern.
  • Stichlänge: Mindestens 4mm. Sonst wird das Leder zu stark perforiert.
  • Füßchendruck: Je dicker das Leder, desto mehr Druck- aber das ist ja klar :)
  • Zuschneiden: Mit meinem Rollschneider mit älterer Klinge schneide ich keine Jerseys mehr, aber bei Leder ging er wunderbar. Beim Zuschnitt ist Leder unproblematischer als Stoff.
    Achtet beim Zuschnitt ( vor allem der Träger! ) darauf, dass auch Leder eine Richtung haben kann! Je nach Faserverlauf ist es in eine Richtung dehnbarer als in die andere. 

An den Taschenkörper kann ich nun meine gesamten alten Klappen montieren, wenn mir irgendwann die schlichte Variante mit der Lederklappe zu langweilig wird.
Und wenn mein Teflonfuß kommt, nähe ich eine Thea, die liegt schon zugeschnitten bereit.
:)

Schnitt: Anna 
Leder: Reinhardt

Mittwoch, 8. August 2012

Ferienprogramm: Leder Reinhardt in Pfullingen


Frau machwerk im Glück.....
Bei einem Ausflug kamen wir an Pfullingen (in der Nähe von Reutlingen) vorbei, dort hat mir Bärbel den Fabrikverkauf von Leder Reinhardt empfohlen.
In einer großen Gitterbox findet man dort Lederreste in vielen Größen und Qualitäten als Kiloware.


In hohen Regalen sind ganze Häute verstaut, für Kleidung, Polsterarbeiten und für die Automobilindustrie.
Pinker Springbock? Kein Problem.
Türkises Nappa? Gibt es auch.
(Hol ich mir irgendwann!)


Aber ich habe mich erst mal in der Restekiste bedient. Das Leder sollte ausreichen, um zu probieren, ob meine Nähmaschine das Material genauso mag wie ich.

Die Preise dort sind OK, ich habe für 7kg 130 Euro gezahlt.
Die Freude, dass meine Pfaff 260 das Material tatsächlich gut näht - die ist unbezahlbar.

Leder Reinhardt, Pfullingen, An der Urfall 3- Kleinverkauf am Samstag von 9-12 Uhr.


Sonntag, 29. Juli 2012

Manipulating Fabric: Bleichen mit Eau de Javel



Im siebten Kapitel des Manipulating-Klassikers beschäftigt sich Colette Wolff mit Smocking. Das ist eine zeitraubende Sache, genau richtig für das Olympiagucken in den nächsten zwei Wochen.

Bei den derzeitigen Temperaturen stand mir die letzten Tage der Sinn nach einer schönen Freiluftmatscherei. Ein Entfärbeprojekt mit Eau de Javel war da genau das richtige.
Das Zeug hat bei Versuchen wirklich jeden Rest Farbe aus der Faser gezogen.
Um den Kontrast zum ursprünglichen Farbton nicht zu hart werden zu lassen habe ich mich für einen silbergrauen beschichteten Leinenstoff entschieden. Beim Versuch an einem kleinen Stück ergab sich bei nur leichtem Kontakt mit der Bleiche ein schöner fliederfarbener Effekt, das hat mir auch gut gefallen.


Als Schnitt habe ich mir das schon bewährten Ballonkleid herausgesucht, die Dynamik am Rocksaum sollte durch den Farbverlauf unterstützt werden.
Vor dem Entfärbebad habe ich das Außenkleid mit der Overlock zusammengenäht.


Das untere Teil des vorbereiteten Kleides wurde 2 Minuten in die unverdünnte Lösung getaucht, danach habe ich das Stück ausgebreitet und noch eine Eiskaffeelänge in der Sonne nachbleichen lassen.


Nach einer Runde in der Waschmaschine bei 60 Grad kam das dann so heraus:


Leider habe vor dem Waschen nur den Halsausschnitt  versäubert.
Ich war mir ja noch nicht sicher, ob das alles funktioniert. Die Armlochkanten sind deshalb in der Wäsche ausgefranst, das hat mich an der Stelle einen cm gekostet, so ist die Schulterbreite beim fertigen Kleid nicht mehr optimal.


Aber der Rest passt.
Ich mag gern kontrastfarbenen Futterstoff - das Innenleben ist deshalb im Bereich des Halsausschnittes aus Leinen. Auf die Weise fällt es nicht so auf, wenn an der Kante das Futter hervorblitzt.
Das Reh lag gerade neben der Nähmaschine und hat gebeten, genau dort aufgenäht zu werden. :)


Der Rocksaum ist wieder viel stärker ausgestellt als im Originalschnitt, das verstärkt den Balloneffekt. Das feine Leinen hat etwas Stand und unterstützt das zusätzlich.


Das ist ein echtes Lieblingskleid, obwohl mir die Farbe eigentlich nicht steht.
Aber mit einem Tuch (Neudt.: Loop) ist das auch kein Problem.

Der Stoff ist vom letzten Stoffmarkt, die perfekte Kette dazu habe ich diese Woche unserem Wanderpaket entnommen, sie ist von der lieben Claudi :)

Suschna sammelt wie immer alle kreativen Teilnehmerinnen der Stoffmanipulation-
Vielen Dank für deine Mühe bei den Aktualisierungen!

Donnerstag, 12. Juli 2012

Kulturbeutel

Ich wünsche euch ja, dass ihr das nicht kennt: Die Shampooflasche im Kulturbeutel geht auf und der ganze Inhalt ist verschmiert. Eklig. Vor allem, wenn die Zahnbürsten nicht in einem Behälter sind, sondern achtlos hineingeworfen wurden.
Dashalb habe ich die Kosmetiktaschen-Thea genäht.
Für die Tochter, die nächste Woche ins Schullandheim fährt.
Aus ihrem erklärten Lieblingsstoff, passend zu ihrer Badetasche :)
Jetzt kann in das eine Abteil das Shampoo und die unempfindlichen Sachen wie Sonnenmilch, in das andere Segment der Fön und die Bürsten. Und in dem Reißverschlussfach der Trennwand ist das Zahnputzzeug sicher aufgehoben.
Das Futter kann man komplett aus Wachstuch nähen- sicher ist sicher.
Und der Kunstlederboden außen kann auch mal auf einem nassen Waschbeckenrand stehen.


Im letzten Heidenheimer Kurs ist aus dem Schnitt ein ausgesprochen schönes Exemplar entstanden, Nicole hat die Stoffe super kombiniert. Danke für das tolle Beispiel!

Freitag, 6. Juli 2012

Das Rosenkleid

Das schöne am Nähen ist, dass man einen Lieblingsschnitt immer wieder aus unterschiedlichsten Stoffen nähen kann.
(2010 aus Leinen, 2008 aus Crashjersey. Ein Blog ist als Archiv echt klasse!)

Das ist Vollkaskonähen - ich weiß bei solchen Schnitten genau, was mich erwartet.

So auch diesmal: 
Bei dem wunderbaren Stoff von Anna Maria Horner war das eine sichere Sache.
Zeitlich passt das genau zur aktuellen Rosenblüte im Garten -
so einen Stoff hätte ich im Winter nie vernäht.
In der Empirelinie habe ich eine Paspel zwischengefasst
und dann ein Bändchen als Schleife gebunden.
Etwas unschlüssig bin ich mir noch wegen der Länge- soll ich das Kleid so lassen oder vielleicht doch über dem Knie kürzen?
Gerade neige ich zu der vollen Länge, aber vielleicht schneide ich das dann im Spätsommer noch ab, damit ich es mit einer Legging drunter im Herbst anziehen kann.

Schnitt: Auf Basis eines alten Brigitte-Schnittes aus dem Jahr 1999
Stoff: Anna-Maria Horner - Loulouthi (z.B. von hier )
Danke an Regina für die tollen Fotos! :)