Freitag, 18. Januar 2013

Stoffgeschichten: Kettdruck


In meinem Regal gibt es Stoffe, die ich nur schwer anschneiden kann. Für das Jahr 2013 habe ich mir vorgenommen euch einige davon zu zeigen und dann endlich zu verarbeiten. 

Als erstes stelle ich euch einen Kettdruck vor, eine echte Rarität. 
Den Stoff habe ich vor knapp 5 Jahren in einem gehobenen Raumausstattungsgeschäft gefunden. Ich war mit einer ebenfalls textilen Freundin dort, wir haben das Meterstück aus einer Kiste mit exclusiven Stoffabschnitten gefischt.

Ein eleganter Kettdruck aus europäischer Herstellung, das hatten wir bisher noch nicht in den Händen gehalten. Die Verkäuferin hat uns dann aufgeklärt, dass der Coupon von Fischbacher kommt, einem der innovativsten Stoffhersteller in der Schweiz. Das erklärte den Preis: 50 Euro sollte das Stück noch kosten. 
Wir waren beide begeistert von der technischen Umsetzung. Entwürfe dieser Art werden von den Webmeistern gern als haben.wir.noch.nie.gemacht abgetan und von Verkaufschefs als zu teuer abgeschmettert. Fast 200 Euro/m für einen Vorhangstoff aus Polyester? Fischbacher macht das einfach. 

Wir haben begeistert fachgesimpelt, das Stück dann aber mit einem bedauernden Achselzucken zurückgelegt.
Als ich dann später an der Kasse stand hat die Verkäuferin den Kettdruck auf die Theke gelegt und mir den Stoff für einen eher symbolischen Betrag überlassen. 
"Ich weiß, es kommt in gute Hände" meinte sie lächelnd.


Aber was ist ein Kettdruck?
Klickt das Foto oben mal an, da sehr ihr die aquarellhaften Farbverläufe. Sie kommen zustande, da die Kette vor dem Weben bedruckt wird. Beim späteren Einziehen der farbigen Fäden in den Webstuhl ergeben sich dann technisch bedingt kleine Verschiebungen.
Vom Prinzip ist das etwa so:


Im Fall meines Fischbacher-Schatzes wurde das dann mit gelben Fäden abgeschossen, auf dem unteren Foto seht ihr ganz gut, wie sich die Farbe nochmal ändert:


Vielleicht kennen manche die Ikatstoffe aus asiatischer Herstellung, die werden dort auch manchmal mit extra bedruckten Schussfäden gewebt, das ist eine echte Fleißarbeit.
Anna Maria Horner hat in ihrer neuen Kollektion einen Druckstoff, das Design ist auch eine moderne Interpratation dieser Verläufe. Im Gegensatz vielen Kettdruckimitaten hat mein Stoff aber zwei völlig identische Seiten, das ist ja gerade bei einem Vorhangstoff ein echter Pluspunkt.

Am Zeigetag der Stoffspielereien am 27.Januar zeige ich euch dann, was aus der Kostbarkeit geworden ist- wenn es nichts wird, dann hab ich zumindest noch diesen Blogeintrag als Erinnerung :)
Wer ebenfalls mitmachen möchte kann mich gern anmailen oder dann am Sonntag kommentieren, ich verlinke dann eure Beiträge.

Kommentare:

  1. ich bin sehr gespannt und hab wieder etwas neues gelernt...

    sei lieb gegrüßt
    anja

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  2. ein schöner post!und ein wunderbares stückchen stoffglück;) auch bei mir stapeln sich stoffe, an die ich aus den unterschiedlichsten gründen nicht rangehe - aber, ob ich das bis zum 27.1. ändern kann;)?
    sei gegrüßt von birgit

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  3. Hallo,
    sogenannte Ikatstoffe gibt es auch traditionell auch in Europa, nicht nur in Asien. Zum Beispiel auf Mallorca. Dort werden sie noch auf Handwebstühlen hergestellt. Schaut mal auf:
    teleweb-mallorca.com
    Dort gibt's sogar ein kleines Video.
    LG Sybille

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  4. Das ist so eine gute Idee, alles mal genau zu erklären! Der Stoff sieht ganz wunderbar aus. Außerdem bei Ikats hatte ich das bisher nur bei historischen Kleider gesehen, z.B. creme mit rosa Punkten, die dann ganz fein unscharf verlaufen - toll. Effekte für den zweiten Blick. Ich freue mich schon sehr auf den Zeigetag und fühle mich angespornt. Danke!

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  5. Liebe Griselda,

    danke für die Textilkunde, war ganz neu für mich.

    herzliche Grüße
    Judika

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  6. Danke Sybille, das stimmt.
    Der Link führt zwar nicht zum Video, aber ich hab davon auch schon gelesen. Wobei ich das dann tatsächlich nur vor Ort in der Weberei kaufen würde, um etwas Authenisches zu bekommen.

    (Da habe ich in den Highlands schon merkwürdiges gesehen: In Souvenirshops wurden karierte Röcke zu Dumpingpreisen angeboten, die waren garantiert nicht aus einer schottischen Weberei.....)

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  7. Ein wirklich schönes Stück, bei dem ich sehr gut verstehen kann, dass er unberührt bei dir wohnt.Tapfer, dass du dich zum Verarbeiten entschlossen hast. Ich habe da wieder so viel Respekt, dass es nur etwas werden könnte im Ganzen, aber ich denke bei dir wird es...
    Freue mich schon!
    LG Karen

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  8. Das finde ich sehr interessant, zumal mir die Technik bislang gar nicht bekannt war.
    Ikat ist mir in jüngerer Vergangenheit häufiger begegnet (ohne dass ich danach gesucht hätte), das scheint irgendwie wieder in Mode zu kommen - über das Webverfahren hatte ich mir zugegebenermaßen noch nie Gedanken gemacht.

    Auch dein Stoffstückchen hätte ich nicht so zu würdigen gewusst, wie du. So ist es schon in die richtigen Hände gekommen ;)
    Da bin ich ja sehr gespannt, was du dir dazu ausdenkst, bei solchen Stoffen hab ich ja dann gerne eine Nähblockade.
    Was ist denn aus der Federborte geworden?

    LG frifris

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  9. Ach, ich liebe solche Geschichten. Und gelernt habe ich auch was. Kettdruck hatte ich vorher noch nicht gehört. Haber mir immer wieder das Bild vergrößert und gestaunt. Eine tolle Arbeit!

    Danke für den Post. Jetzt bin ich echt gespannt, was Du daraus gezaubert hast.

    LG Anja

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  10. ♥ ...das war ja total interessant,
    danke dafür!
    :-) glg Nathalie

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  11. Oh ich liebe Ikat auch total! Dann warte ich mal gespannt mit!

    Ganz liebe Grüße!

    claudia

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  12. ich habe mich auch mit Ikat und gefärbten Kettfäden befasst. Das eindrücklichste, selber mit den Händen liebkoste Stück war eine ca. 30x30cm grosses Stoffstück. Der Name der Käuferin war mit Ikattechnik eingewoben. Und wie sie mir sagte, wurde das Garn mit Abbindtechnik und Pflanzenfarbe gefärbt. Hergestellt vor ca. 60 Jahren.

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  13. Nun nimmt es mich aber Wunder was du mit den schönen federborten gemacht hast:-))

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  14. Danke für das *in Erinnerung rufen*.
    Alles mal gelernt, aber ist halt eben auch schon wieder lange her.

    Als Schweizerin und gelernte Innendekorationsnäherin ist mir natürlich Fischbacher ein Begriff.

    Viel Spass beim Nähen

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