Donnerstag, 30. April 2009

Inspirationen

Kaze, Wollundstoffix und Lucy haben schon vor einigen Wochen tolle Texte über die Quellen ihrer Inspiration geschrieben. Und alle verwenden Bücher und Hefte, um die Anregungen festzuhalten.


Bei meinem ersten Praktikum in einer Schalweberei stand ich mit großen Augen im Archiv: Da waren nicht nur die Musterlaschen und -bücher vieler Jahrzehnte und textile Nachschlagewerke, sondern auch einige Skizzenbücher. Mit ausgeschnittenen Fotos aus Zeitschriften, Postkarten und hingeworfenen Zeichnungen des kreativen Chefs. Ich war beeindruckt und habe noch auf dem Heimweg mein erstes Heft gekauft.

Das ist ein Ausschnitt aus der allerersten Seite. Das Tesa ist nach 20 Jahren schon ganz spröde und vergilbt.


Tanzende Schweine und Flugzeuge über dicken Kakteen- ich weiß wirklich nicht mehr, was ich damals so prickelnd daran fand.

Diese Seiten sind aus einem Prospekt einer Londoner Galerie- die Farbstimmung gefällt mir immer noch sehr gut


Beim Entwerfen hatte ich meist eine Blanko-Zeitungspapierrolle als Unterlage. Dieses Muster entsteht, wenn man beim Grundieren über das Ziel hinausschießt. Der rote Klecks ist wohl eine Farbprobe, die ich erst mal außerhalb des Entwurfs ausprobiert habe. Nette Farbstimmung mit interessanter Struktur! Ausgeschnitten und archiviert noch während das Studiums.

In den Heften ist eine wirklich bunte Mischung aus Zeitungsausschnitten, Skizzen und Farbkombinationen. 20 Jahre Textilgeschichte.
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Die Anregungen der letzten Wochen kommen aus dem Garten, gerade sind die Frühjahrsblüher so schön. Die Traubenhyazinthen, Tulpen, die erste Clematis.
Ich habe sie am Terrassentisch sitzend in meine aktuelle Kladde skizziert. Hingeworfene Gedankenstützen für meine freien Stickereien.
Die Muscari haben ihren Weg inzwischen auf ein freies Feld im April-Tischset gefunden. Das fast fertig ist.

(Wenn man draufklickt, werden die Fotos größer. Ich stelle nie mehr diese Minifotos ein- da ist ein vernünftiges Layout schier unmöglich. Blogspot ist grausam- ständig verschiebt sich alles.)

Kommentare:

  1. Hallo Griselda,

    für meine Aquarellmalerei benutze ich auch immer ein Skizzen- und Ideenbuch. Deine Muscari hast du ja sehr gut umgesetzt.

    Schönes Wochenende! Lg Sabine

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  2. Ich hab auch noch die Skizzenbücher aus dem Studium.
    Und auch jetzt hab ich immer ein Büchlein - allerdings steht da mittlerweile viel mehr Text --- war schon immer ein Textmensch ... und zur Zeit steht gar nix drin ...

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  3. Danke für diesen Einblick in deine Skizzenbücher - faszinierend wie du Blume in Zeichnung in Stickerei überträgst. Um diese zwanzig Jahre alten Bücher beneide ich dich richtig, weil ich früher nie daran gedacht habe, irgendetwas festzuhalten. Sowas ist wirklich ein Schatz. Interessant finde ich auch, dass du, wie es scheint, ohne Worte auskommst. Denkst du in Bildern, also entwirfst du völlig ohne die Brücke "Wort"? Wie bei seemownay stehen in meinem Büchlein nämlich auch viel mehr Worte als Zeichnungen - hängt sicherlich auch mit meiner Studienrichtung zusammen und mit dem, was ich Tag für Tag so tue, aber ich kann mir quasi "unmittelbares Entwerfen" (nenne ich jetzt mal so aus Mangel an einer Bezeichnung) überhaupt nicht vorstellen. Also ich kann mir schon vorstellen, dass das andere Menschen so machen, klar, aber für mich wird ganz viel über Worte vermittelt. Was mir im Vergleich wie eine Krücke vorkommt.
    Sehr interessant.

    viele Grüße, Lucy

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  4. Interessante Skizzenbücher. Meine Notizen - übrigens auch schon im Blog aufgegriffen vor einer Weile - sind nicht so perfekt und leben auch nicht mehr alle.
    Dein Aprilausblick ist mal wieder sehr interessant. Ich habe noch nicht angefangen, werde das 2. Teil vom März benutzen und die beiden verbinden. Deine Stickerei ist sehr schön. Meine Gedanken sind auch beim sticken. Ich sehe, die Gedanken ähneln sich.
    So, jetzt gehe ich erst mal nach Paris.

    lg monika

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  5. Ja, Lucy. Erst wo du es erwähnst, fällt es mir auf: Diese Bücher sind tatsächlich fast wortlos.
    Das ist wahrscheinlich wirklich Typsache. Mit Bildern tu ich mir leichter, einen Entwurf auf den Punkt zu bringen.
    Deshalb finde ich die Texte in deinem Blog auch so gut- das Formulieren fällt dir leicht und das merkt man.

    Zum Thema "Unmittelbares Entwerfen" fallen mir spontan die "Stressübungen" im Studium ein.
    In zwei Stunden entstanden da im 5-Minutentakt grobe Entwürfe ohne jegliche Vorgabe. Aus dem Stapel hat dann der Prof einen herausgepickt, den man ausarbeiten musste. Bilder- nur Bilder.

    Vieles entsteht auch im Fluss des Nähens. Gut, am groben Konzept (dem Schnitt) kann man im Verlauf wenig ändern, aber du hast sicher auch bei deinen Monatsarbeiten gemerkt, dass der kreative Prozess im Idealfall eine Eigendynamik entwickelt. Die auch manchmal in der Tonne landet- aber dann war halt der Weg das Ziel......

    Und Monika, ich hab deinen Post mit reinverlinkt. Danke für den Hinweis!

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  6. Griselda, was genau hast du studiert?
    Deine jahrelange Sammlung von Skizzenbüchern muss super interessant sein.
    Bei mir stapeln sich in dieser Hinsicht leider nur Tagebücher mit psychologisierendem Geseiere aus früheren Jahrzehnten.

    Ich habe eben noch mehr getippt, aber da drehte es sich um mich, und nicht um deinen lesenswerten Beitrag. Nur kurz, ich habe nach wie vor, zu diesem Thema zu schreiben, aber so etwas fällt mir sehr schwer.

    Auf deine neue Seite bin ich dieses Mal besonders gespannt, weil ich Perlhyazinthen sehr gerne mag, vor allem wegen ihrer Farbe.

    Herzliche Grüße
    Tally

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  7. Tally, ich bin von Haus aus Textildesignerin- das beinhaltet hauptsächlich Flächengestaltung vom Teppich hin über Stoffe bis zur Tapete.
    Da ich aber schon sehr lange nähe, bin ich gleich nach dem Studium in die DOB und habe hauptsächlich im Strickbereich gearbeitet. Zuerst festangestellt und nach der Geburt der Kinder freelance.

    Ich mag die Muscari auch besonders gern- sie bilden die schönsten Teppiche, wenn man nicht zu fleißig hackt. Eine Pflanze für faule Gärtnerinnen.
    :-)

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  8. Ein schöner Text und schön, das du alle Bücher aufgehoben hast! Welch ein Vergnügen darin zu blättern und sich neu anregen zu lassen. In den ersten Jahren habe ich viele Skizzen vernichtet.
    Nun ist mir vieles auch klar von unserem verwandten Denken.Ich habe in der KOB zuletzt gearbeitet und habe mich danach ganz konsequent von diesem Metier versucht zu lösen,gehe sozusagen einen kreativen Zickzackweg um seit geraumer Zeit wieder mit Lust am Faden zu arbeiten, ohne ökonomische Zwänge.Und all diese wunderbaren Blogs haben auch dazubeigetragen.
    Dein April gefällt mit schon ausschnittweise.
    Meine Idee ist skizziert, aber eben nur das!
    Ein schönes erstes Maiwochenende wünsch ich Dir!

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