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Donnerstag, 19. März 2015

Neue Taschen und Geldbeutel aus Zeltplane.


Jaja, der Siebdruck.
Ich hatte mir das alles viel einfacher vorgestellt, vor allem die Belichtung der Siebe ist nicht optimal. Welche Lampe in welchem Abstand zum Sieb wie lange eingeschaltet sein muss- das ist immer noch zu sehr Glückssache.
Dieser ganze technische Kram vorab mit den fälligen systematischen Versuchsreihen, da hatte ich die letzten Monate keine rechte Motivation.

Aber zum Glück habe ich ja meine Siebe mit den regionalen Ellwangenmotiven- die sind eine sichere Bank:


Für Barbaras "Glas und Faden" in Ellwangen habe ich ein paar Geldbeutel genäht, diese Tasche tausche ich mit ihr gegen eine ihrer sensationellen Scheibenketten.


Der Boden besteht aus einem kernigen Leder, der Korpus aus Schwedenplane. Die Camouflageflecken der Zeltbahnen sind sehr groß, da bleibt nach dem Siebdruck keine militärische Anmutung übrig. Und das über die Jahre in den nordischen Wäldern abgescherbelte dicke Gewebe hat so viel Charakter! 


Durch die Faltenlegung am oberen Rand lässt sich leider kein Reißverschluss einarbeiten.
Der Magnetverschluss ist hier zusammen mit einem Lederstück angebracht. Das ist optisch besser und auch noch sinnvoll, die beiden Hälften sind gut stabilisiert und finden sich beim Zuklappen der Tasche fast von allein.

Die andere Tasche hat einen versenkten Reißverschluss bekommen, sie hat das richtige Quertrageformat.


Ich war bei meinem Leder-Großhändler lange auf der Suche nach etwas dünnerem, pflanzlich gegerbten Blankleder für Taschenriemen. Die meisten Riemen sind zu dick als dass man sie problemlos mit einer Schiebeschnalle verstellen kann.
Ich habe in dem Riesenlager schlussends zwei Häute gefunden aus denen ich richtig lange Riemen schneiden kann- für Taschen, die man auch quertragen kann.


Es ist eine Freude die langen Riemen mit der Ledernähmaschine dekorativ abzusteppen.
Endlich kann ich perfekt gleichlange Stiche auf jedem Material!
Nähglück!

Montag, 27. Oktober 2014

Konversion in Ellwangen - das Gesamtbild


Nachgereicht: Das Schaufenster.
Entschuldigt bitte die schlechte Bildqualität, aber Glasscheiben spiegeln derart, dass keine vernünftigen Bilder möglich sind. Wer also in der Nähe wohnt und mal in Ellwangen ist: Das ist das Fenster der Kellergalerie in der Spitalstraße- gleich neben dem Rathaus.

Meine Lieblingstasche im Detail:
Ein Siebdruck mit einer Chronik aus dem 15 Jahrhundert- in der sogar mein Wohnort erwähnt ist.
Ich habe das Motiv auf eine gebrauchte Plane der Fremdenlegion gedruckt, die authentischen Rostflecken passen super zum Druck.

Außerdem hat Barbara (Glas und Faden, ebenfalls in der Ellwanger Innenstadt) gerade eine Auswahl meiner Geldbeutel im Laden. Ich finde es großartig, dass sie in ihrem Geschäft kreative Sachen aus der Region verkauft. Sie selbst hat sich auf Glasperlen spezialisiert und macht wirklich tolle Sachen. 
Demnächst eröffnet Findling in Crailsheim- dafür werde ich dann Geldbeutel mit einer alten Crailsheimer Stadtansicht nähen. 

Die Welt rückt immer näher zusammen- 
das ist gut, wenn es zum Beispiel um die Aufnahme von Flüchtlingen in der Ellwanger LEA geht.
Man kann wie Grete und Barbara in Houston den Quiltmarket besuchen oder wie Bea  jungen Frauen in Kenia das Nähen beibringen....

Ich selbst werde im Herbst immer ganz bodenständig und freue mich dieses Jahr, dass ich in meinem Keller historische Stiche aus der Region auf alte Textilien drucken kann. 
Ellen näht Kissen mit Schneelandschaften und Weißwäsche.
Denn: Winter is coming :)

(Danke, Renate - für Möglichkeit das auszustellen
und an Eri für die Deko.)

Freitag, 10. Oktober 2014

Konversion - noch mehr Taschen aus Plane

Vielen Dank für eure netten Kommentare, das war sehr motivierend für die Nachtschichten der letzten Tage. Das Gesamtbild ist ganz gut geworden, es hat Spaß gemacht wieder mal umfassender an einem Thema zu arbeiten. Aber glaubt mir: Ich bin hundemüde.
Bevor ich jetzt gleich die Taschen in das Schaufenster einräume lasse ich euch noch ein paar Bilder hier:

Den Schweizer Alpentarn mag ich am liebsten in der Kombination mit Wollfilz- innen sind die Taschen mit polizistengrünem festen Baumwollstoff gefüttert, den habe ich als Neuware bei eBay gekauft.
Die Lederriemen (von Reinhardt) hat meine Pfaff problemlos abgesteppt, angebracht habe ich sie  mit dicken Nieten.


Den schwedischen Waldtarn habe ich mit Leder verarbeitet, diese Taschenform hat noch Potential. Sie ist einfach zu nähen und vermutlich würde es auch reichen, wenn die Falte oben durch eine einzelne Öse fixiert werden würde. 
(Die selbstschneidende Öse drücke ich mit einer starken Presse ein, die stelle ich bei Gelegenheit mal extra vor.)


Die Sachen der letzten beiden Nachtschichten sind noch nicht fotografiert, die zeige ich euch dann mit dem fertigen Fenster.
Ich wünsch euch ein schönes Wochenende!

Dienstag, 7. Oktober 2014

Konversion - Upcycling von alten Zeltplanen

Konversion- die Umwandlung von militärisch genutzten Flächen für zivile Zwecke ist in Ellwangen derzeit das beherrschende Thema. Es ist geplant, in der seit Monaten ungenutzten Kaserne eine Landeserstaufnahmestelle für Flüchtlinge einzurichten.
Die Einwohner sehen das noch mit gemischten Gefühlen, aber ich habe lange genug in der Stadt gelebt um zu hoffen, dass die Ellwanger zwar sehr konservativ, aber auch genauso pragmatisch sind.

Vor einiger Zeit hat mir die Besitzerin eines Schaufensters in der Ellwanger Innenstadt angeboten, dort meine Sachen auszustellen. Das war für mich eine echte Gelegenheit mal wieder etwas konzeptioneller arbeiten zu können.
Die Umwandlung von (textilen) militärischen Flächen in zivile Nutzung- das geht nicht nur hochpolitisch sondern auch ganz profan im Kleinen an der Nähmaschine.
Da hat es eine Designerin leichter als der Bürgermeister.

Ich habe gebrauchte Zeltplanen von verschiedenen europäischen Armeen verarbeitet- zum Teil fast fabrikneu, manchmal auch ziemlich ramponiert. Aber gerade die Stücke mit den grob geflickten Rissen haben die schönste Oberfläche und nehmen die Farbe beim Siebdruck am besten auf.
Beim Geldbeutel habe ich schwedischen Waldtarn genommen und mit Alt-Ellwanger Stadtansichten bedruckt.

Das Ellwangen-Sieb in ganzer Breite hatte auf dem Laptop-Rucksack Platz, hier habe ich Fremdenlegionärs-Plane ausgesucht und mit Bundeswehrmaterial kombiniert.
Der Zeltstoff ist sehr robust, es macht richtig Spaß, verschiedene Oberflächen dazu zu kombinieren.
Ganz wichtig: Metallteile!
Der Eingriff der vorderen Tasche mit Knopf und Knopfloch ist original von der "Dackelgarage", dem Zweimannzelt der Bundeswehr übernommen.
Das ist überhaupt die Herausforderung beim Vernähen von gebrauchtem Material: Herauszulesen, was noch wie brauchbar ist und das dann in den Entwurf zu integrieren.
Gerade verarbeite ich Schweizer Alpentarn, das ist farblich etwas interessanter und passt prima zu Filz!
Bis Freitag muss das alles fertig werden.
Zum Glück regnet es- bestes Nähwetter!