Montag, 12. September 2016

"Schätze einer Fürstenehe" - die Ausstellung in Torgau

Zugegeben: Nach Torgau hat es mich eher zufällig verschlagen - die Stadt lag von Leipzig an den Teupitzsee einfach auf dem Weg. (Danke für den Tipp, Andrea!)
Aber die Ausstellung im Schloss Hartenfels ist für kulturhistorisch Interessierte auf jeden Fall auch eine Extrafahrt wert.

In Torgau fanden ab etwa 1600 immer wieder kurfürstliche Hochzeiten statt. Das gab den Anlass, einige Schätze aus dem Archiv der staatlichen Kunstsammlungen Dresden vor Ort auszustellen.
"Schätze einer Fürstenehe" ist der Rahmen für eine Zusammenstellung von Gemälden, Waffen und Fürstenbildnissen aus der Zeit nach der Hochzeit von Johann Georg I und seiner Frau Magdalena Sibylla von Sachsen im Jahr 1607.
Wirklich beeindruckend ist das Prunkkleid der Kurfürstin aus dem Jahr 1610/20. Es ist im Vergleich zu vielen Nürnberger Exponaten außergewöhnlich gut erhalten und restauriert.
Die Ausstellungsmacher stellen immer wieder einen Zusammenhang zwischen verschiedenen Exponaten her - in einer Virtine ist z.B. ein Stück der aufwändigen Spitze des Kleides nachgearbeitet- in den Originalfarben wie sie wohl vor 400 Jahren im Ballsaal getragen wurden.
Das ausgestellte Hochzeitsgewand des Fürsten ist auf einem Bildnis zu sehen.
Zusätzlich ist in einer Vitrine der schwarze Mantel ausgebreitet den er auf dem Tafelbild dekorativ um die Hüfte drapiert trägt.
Die Ausstellungsstücke sind auch für textile Laien hervorragend dokumentiert.
Wir haben sogar die beschriebene Nahttasche in Sibyllas Kleid entdeckt.
Ihr auch? Oben habe ich euch das mit einem Pfeil markiert.  :)

(Und: Die filigranen Posamentenknöpfe am abnehmbaren Rock, die hochgezogene Taille für die ständig schwangere Fürstin, morbide Stickereien auf ausgeblichener Seide.... Hachz. )

Die Kleidung ist von allen Seiten zugänglich, an einem Mittwochmorgen waren so wenig Besucher in den Räumen, dass wir ganz in Ruhe und bei verhältnismäßig gutem Licht gucken konnten.
Die Stickereien sind absolut beeindruckend. 
Und ich habe tiefen Respekt vor den Kunsthandwerkern, die so etwas Schönes geschaffen und erhalten haben.


Also: Torgau ist absolut empfehlenswert für einen Ausflug:

  • die Lage des Schlosses am Fluss ist malerisch- unbedingt auf den Turm steigen!
  • von Bären im Zwinger kann man halten was man will, aber Kinder wögen sowas wohl.
  • eine von Luther slbst geweihte Schlosskapelle
  • der Wendelstein im Schlosshof - großartig!
  • und am Marktplatz gibt es eine Eisdiele mit sensationellem Mango-Joghurt-Eis. Meine beiden Lieblingseissorten in einer Kugel kombiniert.... da wusste ich gar nicht was ich dazu nehmen sollte :)
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Ich bin wirklich froh, dass viele Museen ihre textilen Schätze der Öffentlichkeit zugänglich machen. Die Sachen sind teilweise so empfindlich, dass das nicht selbstverständlich ist.
Quasi bei mir in der Nachbarschaft ist auch so ein kulturhistorisches Ausflugsziel, das Heubacher Miedermuseum.
Muriel hat vor ein paar Monaten für ein paar Nähnerds einen Aussstellungsbesuch mit Führung durch die Kuratorin organisiert.
Hier könnt ihr darüber lesen.

Ein paar Wochen später hat sie mich dann zu einem ihrer legendären Podcast-Interviews gebeten. Himmel war ich aufgeregt :)
Das Resultat könnt ihr hier hören:


Vielen Dank Muriel, ich habe mich sehr gefreut!
Über den gemeinsamen Ausstellungsbesuch und das Interview!

Kommentare:

  1. Hallo Martina,
    Spitzen und Stickereien faszinieren mich auch immer. Leider ist Torgau für mich momentan zu weit weg. Auch heute entstehen noch aufwändige Stickereien
    http://sewinggalaxy.blogspot.de/p/haute-couture-stickerei-luneville.html
    klick aufs Bild zum ausführlichen Beitrag
    in einem Museum werden sie in unserer schnelllebigen Zeit wahrscheinlich nicht landen.
    lg
    Monika

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  2. Was für eine tolle Ausstellung - leider nicht gerade vor meinen STadttoren gelegen, aber gewiss wundervoll anzuschauen. Danke für die Einblicke für die "Daheimgebliebenen". Der Podcast ist mir momentan zu lang, um ihn anzuhören, das hole ich gerne in einer ruhigen STunde mal nach - passt bestimmt super zum nebenher Sticken oder so :-)
    Lg. Susanne

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  3. Schön, das du uns etwas zeigen kannst und das man auch fotografieren konnte. Irre wie toll die erhalten sind und die Stickereien sehen so etwas von exakt aus, unglaublich. Ich möchte es unbedingt noch dorthin schaffen.
    Die geklöppelten Spitzen scheinen aus Metallgarn sein, oder? Das Kleid muß ja ein enormes Gewicht haben.Stand das zufällig dabei?
    schöne Grüße von Karen

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  4. Danke für den Einblick! Unglaublich, wie gut das erhalten ist. Ich überlege schon, ob bis Ende Oktober noch ein Wochenendtrip drin ist.

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  5. Liebe Martina,
    Vielen Dank für deinen hochinteressanten Ausstellungsbericht. :-) Deine Fotos sind richtig klasse! Was für auswärtige Gewänder und welch filigrane Ausstattung. Gern würde ich die Ausstellung ebenfalls besuchen, nur leider ist Torgau nur viel zu weit weg. Schade!

    Liebste Grüße,
    Annette

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  6. Welche Handwerkskunst!
    Da muss ich wohl noch 1000 Jahre üben...
    Aber: Bären im Zwinger, nur weil Kinder das zu mögen scheinen?
    Äusserst fragwürdig...

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  7. Was zeigst du hier denn für eine schöne Ausstellung, nur einen Katzensprung von mir entfernt. Da muss ich mal schauen, ob ich das nicht noch bis Ende Oktober auf die Reihe kriege. Danke fürs Zeigen.
    LG Mirella

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  8. Seufz, das sollte dann wohl auch noch auf meinem Weg liegen. Vielen Dank für den Bericht! (In Darmstadt im Landesmuseum sind gerade auch noch Raritäten aus dem 17. Jahrhundert ausgestellt, falls du da vorbeikommst.)

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