Sonntag, 14. Februar 2016

Eine Ausstellung über Mode der Renaissance im GNM Nürnberg

Im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg ist noch bis zum 6. März eine Ausstellung über die Mode der Renaissance und des Frühbarocks zu sehen.
Es sind nicht nur etwa 50 originale Kleidungsstücke präsentiert sondern auch Gemälde, kritische Flugblätter und Werkzeuge zur Herstellung und Reinigung der Textilien.
Das alles gibt einen umfassenden Einblick in den textilen Alltag der Oberschicht zwischen den Jahren 1530 und 1650.

Um es kurz zu machen: Die Ausstellung ist phantastisch.
Es fällt schwer, einzelne Stücke herauszuheben, deshalb hier nur ein paar Beispiele die uns besonders beeindruckt haben:

Ein spanischer Mantel aus dem Jahr 1580 diente als Vorbild für ein Cape des Hauses Worth im Jahr 1895. Diese modische Interpretationen der textilen Antiquität wurde damals für die Weltumseglerin Hope Goddard maßgeschneidert. Es ist wunderbar, wie in der Ausstellung beide Kleidungsstücke nebeneinander präsentiert werden.

Es sind zwei Halskrausen aus der Zeit um 1600 zu sehen und ich rätsle immer noch, wie sie am Hals genäht sind. Großartig ist es, wie diese beiden Stücke in einen historischen Kontext gestellt werden: Zeitgenössische Flugblätter mit beißender Kritik an dieser Mode nehmen fast mehr Raum in der Aussstellung ein als die Krägen selbst. Großartig ist ein Stich, in dem gut nachzuvollziehen ist wie die Krausen gewaschen und in Form gebracht wurden.

Überhaupt: Die Textilpflege.Damals wurde nur die weiße Leinen-Unterbekleidung gewaschen, die Samt-, Seiden- und Wollstoffe wurden ausschließlich gelüftet und gebürstet. Das GNM zeigt in dem Zusammenhang Wäschetafeln, auf ihnen wurde notiert wieviele Stücke in die Wäscherei gegeben wurden. Da die Dienerschaft nicht lesen konnte wurde hinter den Abbildungen Striche gemacht um bei der Rückgabe die Vollständigkeit zu kontrollieren.

"Das sind die Lieblingsstücke der meisten Besucher" meinte unsere Führerin, als sie uns drei sehr gut erhaltenen Kamisole zeigte. Kamisole sind Strickjäckchen, die unter der sichtbar getragenen Kleidung angezogen wurden. Die kunstvoll gestrickten Stücke ähneln wohl am ehestem dem, was wir auch heute noch tragen würden.

Mein Lieblingsteil in der Ausstellung  ist ein kunstvoll besticktes Wams. Es wurde immer wieder umgearbeitet und die Spuren dieser Anpassungen lassen sich immer nocht gut in der Rückenpartie erkennen.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 6. März.
Es gibt sehr empfehlenswerte Führungen, die sich auch online vorab reservieren lassen
Der Katalog ist gut gemacht und stellt eher die Sozialgeschichte in den Mittelpunkt als die Mode. Zusätzlich gibt er noch zusätzliche Einblicke in die Restaurierung der fragilen Ausstellungsstücke.

Wer noch die Gelegenheit hat: Unbedingt hingehen!

(Das GNM hat aber auch sonst eine bemerkenswerte Textilsammlung.
Ein Besuch in Nürnberg lohnt sich deshalb immer. )

Kommentare:

  1. Vielen Dank für die gute Beschreibung. Das hört sich wirklich interessant an. So viele Details aus dem Leben dieser Zeit. Da kann man sich die Gerüche der Kleidung gut vorstellen. Aber auch der große Aufwand mit denen sie hergestellt wurden.
    LG Ute

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  2. Das will ich unbedingt noch schaffen und wie ich sehe, lohnt es sich total.Die Zeit rast und im Kopf hatte ich März, aber das ist gleich zu Beginn schon Schluß.Schwierig! Toll, dass du noch mal rüttelst! Danke!
    LG Karen

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  3. Heute habe ich mein Hotelzimmer gebucht (die Führungen stehen schon lange...) und freue mich nun um so mehr! Die Ausstellung kann gar nicht genug beworben werden, denke ich. Danke dafür!
    LG, Bele

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  4. Hotelzimmer brauch ich nicht, 45min Anfahrt das ist zu schaffen, und Ende Februar hab ich ein paar Tage Urlaub, danke für die Vorstellung
    lg
    monika

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  5. Und ich werde es wohl nicht mehr dorthin schaffen (und im November, als ich dort auf Familienbesuch war, lief die Ausstellung noch nicht). Ich wollte gar nicht so genau wissen, was ich verpasse! Menno.

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  6. Was für eine großartige Ausstellung!
    Wie schade, dass sie soweit weg ist. Lieben Dank für Deine Einblicke- besonders das mit den Waschtafeln. Davon hatte ich noch nie gehört.
    Zu solchen Krägen findet man hier viel Interessantes: http://thecuttingclass.com/post/90669276728/creating-cartridge-pleats

    Liebe Grüße
    Ute

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  7. Unerreichbar für mich bis 6. März. Klingt irre spannend! Danke für die Einblicke!

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  8. Vielen Dank für's "heißmachen" ... wir machen uns auf den Weg!! Liebe Grüße Ursi

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  9. Ich war erst vor kurzem im Germanischen, aber da war die Ausstellung noch nicht. Es gab aber auch eine über Kleidung im Wandel der Zeit, die ich sehr interessant fand.Besonders die Stricksachen von 1960:))) Was mich gestört hat, waren die dunklen Ausstellungsräume. Man konnte manche Kleidung nur ganz schlecht sehen.
    Gruß Doro

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  10. so schade, dass wir erst am 11. die 550km anreise zum jährlichen geburtstagsbesuch in bamberg antreten, da wären nürnberg und das gnm ja quasi am weg gelegen. und anfang dezember waren wir leider nur an einem montag in nürnberg :( dass sich die ausstellung lohnt, kann man dem tollen beitrag ja entnehmen. und eine verlängerung ist leider nicht in sicht. schade, wieder eine gute ausstellung verpasst.
    lg heike

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  11. Danke für den Tipp!
    Deiner Empfehlung folgend haben sich eine Freundin und ich gestern noch auf den weiten Weg gemacht und sind ausgiebig in die Textilien, Mode und Geschmäcker der Vergangenheit eingetaucht. Es has sich voll gelohnt.
    Viele Grüße
    Hummmelbrummel

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